Die Aderhaut (Choroidea)

Rote Augen auf Fotos mit Blitzlicht kennt fast jeder. Doch kaum einer weiß, wie dieser Effekt zustande kommt. Die Ursache für die rot wirkenden Augen: Die stark durchblutete Aderhaut des Auges reflektiert das Blitzlicht, sodass die Pupille auf den Fotos rötlich erscheint. Lesen Sie in diesem Artikel, welche Funktion die Aderhaut im Auge erfüllt und wie sie aufgebaut ist.

aderhaut

Aderhaut als Teil der mittleren Augenhaut

Die Aderhaut, auch Choroidea oder Chorioidea genannt, gehört zur mittleren Augenhaut (Uvea). Sie liegt zwischen Lederhaut (Sklera) und Netzhaut (Retina) und geht am vorderen Auge in Ziliarkörper und Regenbogenhaut (Iris) über. Die Aderhaut ist, wie der Name schon vermuten lässt, von zahlreichen Äderchen durchzogen. Dadurch ist sie das am stärksten durchblutete Gewebe des Auges – und sorgt auf Blitzlichtfotografien für rote Pupillen.

Die vier Schichten der Aderhaut

Die Choroidea besteht aus feinen Blutgefäßen, die dafür sorgen, dass das Auge gut durchblutet wird. Sie ist in vier Schichten unterteilt:

  • Lamina suprachor(i)oidea: äußerste Schicht der Aderhaut, Übergang zur Lederhaut
  • Lamina vasculosa: ist stark pigmentiert, enthält größere Adern
  • Lamina chor(i)oidocapillaris (oder nur: Choriocapillaris): weit verzweigtes Netz an feinen Blutgefäßen, den Kapillaren
  • Lamina basalis: verbindet die Aderhaut mit der Netzhaut

Aderhaut: Funktionen

Die Aderhaut hat vier wesentliche Aufgaben. Sie versorgt die Netzhautrezeptoren mit Nährstoffen, da diese keine eigene Blutversorgung haben. Das Adersystem der Choroidea transportiert beispielsweise Sauerstoff und Glukose zu den Rezeptoren.

Die zweite Funktion der Aderhaut ist die Wärmeregelung. Sie sorgt dafür, dass die Temperatur der Netzhaut konstant bleibt. Darüber hinaus sorgt die Netzhaut durch ihre zahlreichen Pigmentzellen, die Licht absorbieren, auch dafür, dass von außen kommendes Streulicht die Sicht nicht beeinträchtigt.

Die Aderhaut ist auch an der Akkommodation beteiligt. Der vordere Teil der Aderhaut, der in den Ziliarkörper übergeht, ist elastisch und dehnt sich dementsprechend mit dem Ziliarkörper aus oder zieht sich zusammen, wenn die Augenlinse sich scharf stellt.

Erkrankungen äußern sich durch Sehstörungen

Als Teil der mittleren Augenhaut kann die Aderhaut bei einer Entzündung von dieser ebenfalls betroffen sein. Die Uveitis ist in mehrere Formen eingeteilt. Ist die Choroidea betroffen, spricht man von einer Uveitis posterior. Diese lässt sich weiter aufgliedern: Chorioditis bezeichnet die Entzündung der Aderhaut, bei einer Chorioretinitis ist zusätzlich die Netzhaut betroffen. Die Infektion äußert sich in Sehstörungen wie verschwommenes Sehen und muss unbedingt vom Arzt abgeklärt werden. Auslöser für die Entzündungen sind beispielsweise Toxoplasmose-Erreger, die von Hauskatzen übertragen werden können.

Auf der Aderhaut können gutartige Muttermale (Nävi) und bösartige Aderhautmelanome wachsen. Diese entdeckt der Augenarzt bei Routineuntersuchungen, da der Patient sie meist nicht oder erst ab einer bestimmten Größe bemerkt. Die Muttermale bereiten normalerweise keine Probleme, sollten aber ein- bis zweimal im Jahr vom Augenarzt überprüft werden. Bei einem Aderhautmelanom handelt es sich hingegen um einen bösartigen Tumor, der zumeist mit einer Strahlentherapie behandelt wird.

Quellen

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).
Aderhaut, Augen-Zentrum-Nordwest
Wie Augen funktionieren, Bausch + Lomb
Protonenbestrahlung beim Aderhautmelanom, Klinik für Augenheilkunde – Charité Berlin
Bösartige Geschwülste (Tumore) im Auge, Universitätsklinikum Münster – Klinik für Augenheilkunde
Aufbau und Funktionen des Auges, Zentrum für Augenheilkunde im Universitätsklinikum Essen

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