Das Augenlid

Die Augenlider zählen neben den Augenmuskeln und Tränenorganen zum sogenannten Hilfsapparat des Auges. Das Augenlid befeuchtet beim Blinzeln das Auge, es schützt – wenn es geschlossen ist – durch seine Festigkeit die Hornhaut vor Verletzungen und es dient als Licht- und Blendschutz gegen zu große Helligkeit.

augenlid

Was ist das Augenlid?

Das Augenlid ist ein dünner Lappen, der aus Muskeln, Drüsen, Binde- und Hautgewebe besteht und die vordere Begrenzung der Augenhöhle (Orbita) bildet. Es gibt ein Ober- und ein Unterlid. Beide Lider sind sehr beweglich und können das Auge vollständig bedecken. So schützen die Augenlider die Sehorgane vor äußeren Einwirkungen, halten sie mit Tränenflüssigkeit sauber und feucht und bieten einen guten Blendschutz.

Wie sieht der Aufbau des Augenlids aus?

Das Augenlid hat ein inneres und äußeres Blatt. Das äußere Blatt ist mit Haut bedeckt und enthält ringförmige Muskeln, die für den Lidschluss verantwortlich sind. Das innere Blatt besteht aus Bindegewebe und einer Bindegewebsplatte, dem Tarsus. Dieser ist mit straffen Kollagenfasern durchzogen. Außerdem ist im inneren Blatt die Muskulatur eingebettet, die die Lidspaltenweite regelt. Auf ihrer Innenseite sind die Augenlider von der Bindehaut überzogen. Außerdem befinden sich an den Augenlidern die Wimpern, die das Auge zusätzlich vor dem Eindringen von Schweiß und Staub schützen.

Beim Lidschluss bedeckt das obere Augenlid einen größeren Teil der empfindlichen Hornhaut des Auges, da es etwas größer als das untere Lid ist. Die Linie zwischen dem geschlossenen Ober- und Unterlid nennt sich Lidspalte. In den Lidwinkeln treffen die Lider zusammen. Im inneren Lidwinkel befinden sich das Tränenwärzchen (auch Tränenkarunkel genannt) sowie das untere und obere Tränenröhrchen. Mit einem Lidschlag wird der Tränenfilm aus der Tränendrüse gleichmäßig auf dem Augapfel verteilt. Im unteren Innenbereich des Auges fließt die Tränenflüssigkeit dann über die ableitenden Tränenwege in die Nasenhöhle.

Welche Funktion hat das Augenlid?

Als Hilfsapparat des Auges erfüllen die Augenlider zwei wichtige Funktionen:

  • Durch seine Festigkeit schützt das geschlossene Augenlid das Auge vor starkem Lichteinfall, kalter Luft, Schmutz und Fremdkörpern. Zusätzlich fangen die Wimpern Schweiß, Regen und Staub ab, bevor diese ins Auge gelangen.
  • Durch regelmäßiges Blinzeln halten die Augenlider das Auge feucht und reinigen es zugleich.

Etwa 10- bis 15-mal blinzelt ein Mensch pro Minute, oft unwillkürlich, das heißt, ohne dass er es überhaupt merkt. Der natürliche, regelmäßige „Wimpernschlag“ bewirkt, dass das Auge immer gleichmäßig mit Tränenflüssigkeit benetzt ist. So trocknet zum einen die Hornhaut nicht aus, zum anderen stellt die feuchte Oberfläche einen reibungslosen Lidschluss sicher. Gerade, wenn sich etwas schnell auf das Auge zubewegt, muss die Beweglichkeit der Augenlider gewährleistet sein, damit sie sich blitzschnell schließen können. Der Lidschlussreflex wird direkt im Auge gesteuert, das bedeutet, die visuelle Information muss nicht erst im Gehirn verarbeitet werden. Der Reflex wird auch in anderen Fällen, etwa bei Erschrecken oder plötzlichem hellem Licht, ausgelöst. In der Nacht beziehungsweise zum Schlafen schließen sich die Augenlider. Dadurch werden optische Eindrücke ausgeblendet, die die Ruhe beim Schlafen stören könnten.

Diese Erkrankungen können das Augenlid betreffen

Die Augenlider können von verschiedenen Funktionsstörungen und Erkrankungen betroffen sein. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:

Oft führen Bewegungsstörungen am Augenlid dazu, dass man es nicht mehr vollständig öffnen kann. Auch ein zu seltener oder zu häufiger Lidschlag oder unwillkürliches Lidzucken sind Formen von Funktionsstörungen. Dem Lidödem liegt meist eine allergische Reaktion auf unterschiedliche Umweltfaktoren zugrunde.

Die Augenlider sind zudem für unterschiedliche Entzündungen anfällig. Die Blepharitis ist eine Entzündung, die am Lidrand auftritt. Sie ist häufig eine Begleiterscheinung von Bindehautentzündungen. Entzündungen der Liddrüsen führen zu einem Gerstenkorn (Hordeolum). Ist die Entzündung chronisch, spricht man von einem Hagelkorn (Chalazion). Die Lidhaut ist zum Beispiel anfällig für Herpes-Viren. Auch Fetteinlagerungen und Pigmentstörungen können an der Lidhaut auftreten.

Quelle

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).

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