Als Akkommodation wird die dynamische Scharfeinstellung des Auges bezeichnet. Der Vorgang ermöglicht es, dass man Gegenstände, die sich in unterschiedlichen Entfernungen befinden, scharf sieht. Wie die Akkommodation abläuft, welche Folgen eine Fehlsichtigkeit hat und welche Möglichkeiten der Korrektion es gibt, erfahren Sie im Folgenden.

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Die Akkommodation im Auge – Definition

Die Akkommodation beschreibt die Veränderung der Dicke der Augenlinse. Durch diesen muskulär getriebenen Prozess passt sich die Brechkraft der Linse an. Objekte in der Nähe werden ebenso scharf gesehen wie weit entfernte.

Die Akkommodation im Auge – eine Erklärung des Vorgangs

Die Akkommodation ist ein Teil des Sehvorgangs: Im Normalfall wird auf der Netzhaut (Retina) eine scharfe Abbildung erzeugt, indem die von einem Punkt auf der Oberfläche eines gesehenen Gegenstandes reflektierten Lichtimpulse durch Hornhaut (Cornea) und Linse so gebrochen werden, dass sie sich auf der Netzhaut wieder in einem Punkt vereinen. Dort werden sie von den Stäbchen und Zapfen wahrgenommen. Die dabei erzeugten Signale gelangen über den Sehnerv zum Gehirn und werden dort zu einem Sinneseindruck verarbeitet.

Der Vorgang der Akkommodation ist ein fester Bestandteil des Sehens. Die Augenlinse nimmt bei diesem Prozess eine entscheidende Rolle ein. Um sowohl entfernte als auch nahe Gegenstände scharf auf der Netzhaut darstellen zu können, verändert das Auge die Brechkraft der Linse. Die Veränderung wird über den Ziliarmuskel erreicht, der die Augenlinse umgibt und über Zonulafasern mit ihr verbunden ist. Unterschieden werden diese Formen der Akkommodation:

  • Fernakkommodation (Ferneinstellung des Auges): Durch das Erschlaffen des Ziliarmuskels ziehen sich die Zonulafasern zusammen. Die Linse flacht ab, wodurch ihre Brechkraft reduziert wird. Objekte in der Ferne werden scharf gesehen.
  • Nahakkommodation (Naheinstellung des Auges): Durch das Zusammenziehen des Ziliarmuskels erschlaffen die Zonulafasern. Aufgrund ihrer Eigenelastizität nimmt die Krümmung der Linse zu, und somit auch ihre Brechkraft. Objekte in der Nähe werden scharf gesehen.

Was löst die Akkommodation aus?

Die Akkommodation des Auges ist kein willkürlicher Vorgang, sondern sie wird durch einen Stimulus ausgelöst: Immer wenn ein Gegenstand in der Fovea centralis, dem Bereich des schärfsten Sehens der Netzhaut, unscharf abgebildet wird, findet im Auge die Akkommodation statt.

Wie lange benötigt das Auge für die Akkommodation?

Das Auge benötigt für die Nahakkommodation ca. eine Sekunde. Etwa 0,36 Sekunden davon entfallen auf die Latenzzeit. Das ist die Zeit zwischen dem Akkommodationsstimulus und dem Beginn der muskulären Einstellbewegung über den Ziliarmuskel. Die verbleibende Zeit entfällt auf die Kontraktion der Ziliarmuskulatur, die Entspannung der Zonulafasern sowie die Zunahme der Linsenkrümmung.

Die Veränderungen der Augenlinse während der Akkommodation werden in Dioptrien gemessen, die Maßeinheit für die Brechkraft. Während der Akkommodation treten Veränderungen zwischen 15 und 27 Dioptrien auf. Das entspricht einer Akkommodationsbreite von 12 Dioptrien.

Akkommodation und Fehlsichtigkeit

Eine Fehlsichtigkeit wirkt sich ebenfalls auf die Akkommodation des Auges aus:

  • Kurzsichtigkeit: Liegt eine Kurzsichtigkeit (Myopie) vor, ist beim Blick in die Ferne und maximal abgeflachter Augenlinse die Brechkraft zu hoch. Der Brennpunkt liegt vor der Netzhaut, das Bild ist unscharf. Da für das Nahsehen eine höhere Brechkraft benötigt wird, profitiert der Kurzsichtige: Wird ein Objekt an das Auge herangeführt, verschiebt sich die Ebene der scharfen Abbildung nach hinten. Ist der Abstand zwischen Auge und Objekt so gering, dass sich der Brennpunkt auf der Netzhaut befindet, wird auch ohne Akkommodation scharf gesehen.
  • Weitsichtigkeit: Bei einer Weitsichtigkeit (Hyperopie) liegt der Brennpunkt hinter der Netzhaut. Es wird mehr Brechkraft benötigt, um den Brennpunkt nach vorne auf die Netzhaut zu verschieben und eine scharfe Abbildung zu erzeugen. Selbst bei maximaler Akkommodation des Auges kann von Objekten im Nahbereich keine scharfe Abbildung auf der Netzhaut erzeugt werden. Bei Kindern gilt die Weitsichtigkeit als normaler Teil des Entwicklungsprozesses. Im Normalfall verliert sie sich mit dem Wachstum.

In jungen Jahren ist die Augenlinse noch elastisch und leicht verformbar. Mit zunehmendem Alter verhärtet sich das Linsenmaterial jedoch. Infolgedessen nimmt die Fähigkeit der Augen zur Akkommodation ab. Sie verlieren zunehmend die Fähigkeit, Objekte in der Nähe scharf zu sehen. Bis zum 40. Lebensjahr verringert sich die Akkommodationsbreite alle vier Jahre um 1 Dioptrie. Nach dem 40. Lebensjahr reduziert sich die Akkommodationsbreite im gleichen Abstand um 0,5 Dioptrien. Beträgt sie weniger als 4 Dioptrien, spricht man von einer sogenannten Altersweitsichtigkeit (Presbyopie). Die Altersweitsichtigkeit ist die häufigste Einschränkung des Sehvermögen, von ihr sind weltweit mehr als 600 Millionen Menschen betroffen.

Korrektur der Fehlsichtigkeit

Dank seiner Akkommodationsfähigkeit kann das Auge eine leichte Weitsichtigkeit in geringem Maße selber ausgleichen. Allerdings strengt das auf Dauer sehr an und die Augen ermüden schnell. Ist die Fehlsichtigkeit stärker ausgeprägt, gelingt der Ausgleich ohnehin nicht mehr. Um ein scharfes Sehen zu gewährleisten und Überanstrengung zu vermeiden, wird die Brechkraft des Auges mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen angepasst. Kurzsichtige benötigen zur Korrektur Zerstreuungslinsen, Weitsichtige Sammellinsen.

Akkommodation – Arbeit für die Augen

Bei lange andauernde Nahblickphasen müssen die Augen eine ständige Akkommodation im Nahbereich leisten. Dies ist z. B. beim Arbeiten am Computer der Fall. Je näher der Bildschirm dem Auge ist, desto stärker ist die Anstrengung. Die Linse muss stets gekrümmt sein, um eine hohe Brechkraft zu gewährleisten. Eine Überanstrengung kann zu einer Verspannung des Ziliarmuskels führen. Mögliche Folgen: Müdigkeit, verschwommenes Sehen und vorübergehende Kurzsichtigkeit. Letztere kann je nach Alter und Gesundheitszustand des Betroffenen bis zu 60 Minuten andauern.

Quellen

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).
Junge Augen für ältere Menschen, Universitäts-Augenklinik Rostock
Das Auge, Justus-Liebig-Universität Gießen
Scharfe Sicht für alle, dasgehirn.info