Wind, Staub oder bestimmte Kosmetika: Auf bestimmte Einflüsse reagieren manche Menschen an den Augen besonders gereizt. Das Phänomen empfindlicher Augen ist aber keinesfalls zu verwechseln mit dem Begriff der Augenempfindlichkeit. Lesen Sie hier, was es damit auf sich hat.

augenempfindlichkeit

Die Empfindlichkeit des Auges: Wenn das Licht die Netzhaut reizt

Empfindliche Augen kennt jeder: Bei vielen reagieren Leder- und Bindehaut von Geburt an vermehrt auf äußere Reize. Schon starker Wind oder eine falsche Mascara können genügen, damit die Augen gerötet aussehen und verstärkt Tränenflüssigkeit produzieren. Auch bestimmte Medikamente oder vorübergehende Beeinträchtigungen wie etwa verblitzte Augen, ein Migräneanfall oder eine Allergie können die Augen und besonders die Netzhaut gegenüber Licht leicht reizbar machen. Spricht man allerdings von Augenempfindlichkeit, ist in der Regel etwas anderes gemeint: Vereinfacht gesagt bezeichnet man die Reaktion der lichtempfindlichen Rezeptoren auf der Netzhaut als Empfindlichkeit des Auges. Denn nur dank der Zapfen- und Stäbchenzellen der Retina ist das Auge überhaupt in der Lage, die elektromagnetische Strahlung in bestimmten Wellenlängen als Helligkeit wahrzunehmen und als Lichtreiz weiterzuverarbeiten. Die Wellenlänge des für uns sichtbaren Lichts liegt zwischen 350 und 750 nm.

Die spektrale Augenempfindlichkeit liegt im Bereich des sichtbaren Lichts

Während die Zapfen nur bei einer bestimmten Beleuchtungsstärke arbeiten und für das Farbensehen zuständig sind, reagieren die Stäbchen bereits auf den kleinsten Lichtreiz und sorgen so dafür, dass wir auch in der Dämmerung Umrisse erkennen können. Licht lässt sich zum einen durch seine Intensität, zum anderen durch seinen Farbton bestimmen, der wiederum mit der jeweiligen Wellenlänge zusammenhängt. Für jeden Wellenlängenbereich gibt es zuständige Zelltypen, so reagieren Zapfen des S-Typs zum Beispiel auf blaues, sprich: kurzwelliges Licht; die des M-Typs auf grünes Licht; und die des L-Typs auf rotes und damit langwelliges Licht. Da die Zellen der Retina damit ein ganzes Spektrum verschiedener Lichtwellen abdecken, spricht man in der Physik auch von der spektralen Empfindlichkeit des Auges.

Gelbes Licht empfindet das menschliche Auge als das grellste

Beschrieben wird die spektrale Augenempfindlichkeit mithilfe der sogenannten V-Lambda-Kurve, die auch Hellempfindlichkeitskurve genannt wird. Hinsichtlich ihres Verlaufs ist sie bei Tag wie bei Nacht identisch, nur verschiebt sie sich bei Betrachtung des Nachtsehens auf der horizontalen Achse um etwa 40 nm nach links. Das Maximum der V-Lambda-Kurve befindet sich bei 555 nm – hier ist die Empfindlichkeit der Augen am größten. Damit liegt der Spitzenwert im Bereich des gelben Lichts, was zur Folge hat, dass das menschliche Auge dieses Licht bei gleicher Intensität heller empfindet als beispielsweise blaues oder rotes. Die absolute Augenempfindlichkeit dagegen bezeichnet lediglich die Reizbarkeit der Sinneszellen, die in Verbindung mit einer bestimmten Lichtmenge überhaupt einen Impuls auf der Netzhaut auslöst.

Augenempfindlichkeit vs. Photophobie

Im Gegensatz dazu bezeichnet man die Reizung des Auges durch zu viel Licht als Photophobie oder auch Lichtüberempfindlichkeit. Grundsätzlich schützen Automatismen das Auge vor zu viel Licht: Das Augenlid wird reflexartig zusammengekniffen oder die Pupille verengt sich. Liegt jedoch eine übermäßige Lichtempfindlichkeit vor, wird schon eine für die Netzhaut unbedenkliche Lichtintensität als unangenehm empfunden und führt zu Reizungszuständen wie tränenden oder geröteten Augen und eingeschränkter Sicht. Pathologische Veränderungen des Auges, etwa Hornhauttrübungen, eine Bindehautentzündung oder fehlende Tränenflüssigkeit, können diese Photophobie ebenso auslösen wie neurologische Erkrankungen – etwa Migräne, eine Hirnhautentzündung oder ein Tumor.

Der Begriff der Augenempfindlichkeit im Überblick

  • Die Empfindlichkeit des Auges meint die Reizbarkeit der Retina-Zellen durch Lichtwellen.
  • Das sichtbare Licht liegt zwischen 350 und 750 nm.
  • Aus der Beziehung zwischen der Länge der Lichtwellen und der wahrgenommenen Leuchtdichte ergibt sich die sogenannte V-Lambda-Kurve.
  • Die V-Lambda-Kurve erreicht bei Lichtwellen von 555 nm ihren Scheitelpunkt – damit wird gelbes Licht vom menschlichen Auge subjektiv am hellsten wahrgenommen.
  • Neben dem Begriff der Augenempfindlichkeit gibt es auch jenen der Lichtüberempfindlichkeit – hier reagiert das Auge infolge einer Erkrankung gereizt auf hohe Helligkeitswerte.

Quellen

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).