Visuelle Wahrnehmung: Bilder entstehen im Gehirn

Bildwahrnehmung ist das Ergebnis eines komplexen Prozesses, der im Auge beginnt und im Gehirn endet. Damit ein klares Bild der Umgebung im Gehirn entstehen kann, ist ein enormer Rechen- und Verarbeitungsaufwand nötig. Denn ein visuelles Bild enthält eine Fülle von Informationen, die auf verschiedenen Wegen bereitgestellt und schließlich zu einem kompletten Bild zusammengesetzt werden.

Was versteht man unter Bildwahrnehmung?

Als Bildwahrnehmung bezeichnet man die Fähigkeit des Zentralnervensystems, Lichtreize so zu verarbeiten, dass ein inneres Abbild der Umgebung entsteht. Der Sehsinn ist einer unserer wichtigsten Sinne, da er uns erlaubt, uns in unserer räumlichen Umgebung zu orientieren, Gefahren frühzeitig zu erkennen und auf Umweltereignisse schnell zu reagieren.

Für das Sehen stellen Auge und Gehirn hochspezialisierte Systeme zur Verfügung, die in einem blitzschnell ablaufenden Prozess quasi in Echtzeit Informationen über unsere Umwelt liefern. Als Bildwahrnehmung werden alle Prozesse bezeichnet, die zwischen dem Auftreffen des Bildes auf der Netzhaut und der bewussten Wahrnehmung stattfinden.

Welche Organe sind an der Wahrnehmung von Bildern beteiligt?

Zunächst beginnt die Wahrnehmung im Auge. Durch Linse und Glaskörper des Auges werden die einfallenden Lichtstrahlen gebrochen, sodass ein scharfes, auf dem Kopf stehendes Bild auf der Netzhaut entsteht.

Hier sitzen lichtsensible Zellen (Photorezeptoren), die auf die Farbe und die Helligkeit des einfallenden Lichtes reagieren, indem sie elektrische Signale produzieren. Diese Signale erregen wiederum andere Nervenzellen, deren lange Fortsätze, zu einem Bündel zusammengefasst, den Sehnerv bilden.

Die Nervenfasern der rechten Netzhaut (linkes Gesichtsfeld) führen zum rechten Auge und die Nervenfasern des links liegenden Teil der Netzhaut (rechtes Gesichtsfeld) zur linken Gehirnhälfte. Somit verarbeitet die linke Großhirnhemisphäre die optischen Reize des rechten Gesichtsfeldes – und umgekehrt.

Im Sehnerv fließen die elektrischen Signale weiter zu einem Zentrum im Zwischenhirn, dem sogenannten Thalamus. Der Thalamus ist eine Umschaltstelle, in der die einlaufenden Informationen auf andere Nervenbahnen umgelenkt werden, die zum primären Sehzentrum führen.

Dieses Sehzentrum – auch als Sehrinde (visueller Cortex) bezeichnet – liegt am hinteren Pol des Großhirns. Hier findet die endgültige Verrechnung der Nervensignale statt: Das Bild, das wir sehen, wird erst im visuellen Cortex aus den einlaufenden Informationen erzeugt.

Welche Informationen werden bei der Bildwahrnehmung transportiert?

Schon in der Netzhaut werden verschiedene Seheindrücke getrennt erfasst. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um vier verschiedene Aufgabenbereiche:

Diese vier Wahrnehmungsaufgaben übernehmen Gruppen jeweils spezialisierter Zellen, die in der Netzhaut des Auges sitzen. Größere Zellen in der Netzhaut (magnozelluläres System) liefern Informationen zur Bewegungs- und Tiefenwahrnehmung, während Gruppen kleinerer Zellen (parvozelluläres System) die Reize für Form- und Farbwahrnehmung erfassen.

Beide Systeme senden eigene Datenleitungen zum Thalamus, wo die einlaufenden Informationen wiederum in eigenen Bereichen getrennt erfasst und getrennt zur Sehrinde weitergeleitet werden. Dort werden die visuellen Daten über Bewegung, Form und Farbe ebenfalls zunächst separat weiterverarbeitet, um ein möglichst klares Bild zu erzeugen.

Die aufbereiteten Daten werden schließlich an benachbarte Felder der Großhirnrinde gesendet und dort zusammengesetzt, sodass ein kohärentes Bild entsteht. Und erst jetzt, nach diesem langen und komplexen Verarbeitungsprozess, wird uns bewusst, was wir sehen.

Bildwahrnehmung im Überblick

  • Als Bildwahrnehmung bezeichnet man alle Prozesse, die an der Umwandlung von visuellen Sinneseindrücken beteiligt sind und zu einer inneren Abbildung der Umgebung führen.
  • An der Bildwahrnehmung sind viele hochspezialisierte Systeme beteiligt, wobei Farbe, Tiefensehen, Bewegung und Form zunächst getrennt erfasst werden.
  • Über mehrere Umschaltungen gelangen visuelle Signale zur primären Sehrinde am hinteren Pol des Großhirns.
  • In diesem visuellen Cortex, der Sehrinde, werden visuelle Informationen aufbereitet und an benachbarte Rindenfelder weitergeleitet, wo schließlich ein zusammenhängendes Bild entsteht.

Quellen:
http://www.medizin-kompakt.de/sehnervenkreuzung-chiasma-opticum-

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