Mouches volantes: Alles über Glaskörpertrübungen

Sie sehen ab und an kleine schwarze Punkte oder durchsichtige Flecken, die in Ihrem Blickfeld auf und ab tanzen? Keine Sorge – dieses Phänomen nennt man „Mouches volantes“, und es ist in der Regel harmlos. Was genau dahinter steckt und was sich gegen die lästigen Trübungen unternehmen lässt, verrät Ihnen Blickcheck.

Mouches volantes – was es mit den „fliegenden Mücken“ auf sich hat

Der Begriff „Mouches volantes“ kommt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich „fliegende Fliegen“, er wird aber auch mit „fliegende Mücken“ übersetzt. Ein sehr bildhafter Name für ein Phänomen, das fast jeden im Laufe seines Lebens einmal betrifft. Als Synonym ist auch der Begriff „Floaters“ gebräuchlich. Kurzsichtige bemerken die schwachen, dunklen, schwimmenden Punkte oder Linien im Blickfeld in der Regel etwas früher. Besonders gut wahrnehmbar sind sie beim Blick auf helle Oberflächen – etwa eine weiße Wand, ein leeres Blatt Papier, einen hellen Bildschirm oder den Himmel. Ihre Intensität kann stark variieren, in der Regel lernt das Gehirn aber mit der Zeit, die tanzenden Punkte bewusst auszublenden, sodass sie kaum noch wahrnehmbar sind.

Was verursacht Mouches volantes?

Mouches volantes sind Trübungen des Glaskörpers, dem Bestandteil des menschlichen Auges, der dessen runde Form aufrechterhält und der besonders während der embryonalen Phase für die Entwicklung des Auges eine wesentliche Rolle spielt. Er besteht aus einer gelartigen Masse, die sich aus Wasser, zu etwa zwei Prozent aus Hyaluronsäure sowie aus einem stabilisierenden Netz aus Kollagenfasern zusammensetzt. Bei jungen Menschen sind diese Strukturen meist noch intakt, sodass das Licht ohne Störfaktor auf die Netzhaut fallen kann. Im Laufe der Zeit schrumpft der Glaskörper allerdings geringfügig, die Substanz entmischt sich und die Kollagenfasern verklumpen. Durch diese Alterserscheinungen trifft das Licht nicht mehr völlig gleichmäßig auf die Retina und es treten winzige Punkte und Schlieren ins Blickfeld.

Ist bei Mouches volantes eine Behandlung notwendig?

Mouches volantes sind also Begleiterscheinungen des ganz normalen Alterungsprozesses des Augapfels: Früher oder später ist nahezu jeder von ihnen betroffen. Sie sind weder gefährlich, noch beeinflussen sie die Sehschärfe in irgendeiner Form – eine Behandlung der Mouches volantes ist also eigentlich nicht notwendig. Je nachdem, wie stark sie ausgeprägt sind, werden sie allerdings durchaus als störend empfunden. Das gilt aber hauptsächlich für die Anfangszeit, denn das Gehirn ist in der Lage, die Punkte und Schlieren zu kompensieren. Sie verschwinden zwar nicht ganz, Sie werden sie allerdings immer weniger bewusst wahrnehmen.

Bestimmte Maßnahmen können die lästigen „Mücken“ zusätzlich eindämmen. Dazu gehören Sonnenbrillen, leicht getönte Brillengläser und farbige Anstriche oder gemusterte Tapeten statt kahler Wände. Wenn Sie beruflich viel an einem hellen Bildschirm sitzen, gönnen Sie Ihren Augen regelmäßig Entlastung, indem Sie den Blick in die Ferne schweifen lassen und bestimmte Objekte in unterschiedlicher Distanz fokussieren. Das kann den Mouches volantes ebenfalls kurzzeitig entgegenwirken.

Die operative Behandlung von Mouches volantes

Falls die Mouches volantes Sie trotz allem stark beeinträchtigen, besteht in Ausnahmefällen die Möglichkeit eines operativen Eingriffs. Bei der sogenannten Vitrektomie wird der Augapfel zwischen dem äußeren Rand der Netzhaut und dem Ziliarkörper durchstoßen und der Glaskörper abgesaugt. Durch eine Infusion wird der Augeninnendruck aufrechterhalten. Eigentlich dient diese Operation der Behandlung schwerwiegender Schäden, beispielsweise einer Netzhautablösung. Liegt dieses Krankheitsbild vor, werden oftmals auch Gas oder Silikonöl in den Glaskörperraum geleitet, um die Retina wieder zu fixieren. Bei Mouches volantes ist dieser Eingriff dagegen weniger ratsam – er birgt einige Risiken, die der Nutzen in der Regel nicht aufwiegt.

Deutlich risikoärmer ist die nicht-invasive Entfernung der Mouches volantes per Laser. Bei der sogenannten Laser-Vitreolyse wird das verklumpte Gewebe mit einem Niedrigenergie-Laser zerteilt. So können die winzigen Teile über die Blutbahn abtransportiert werden und lösen sich schließlich auf. Die Behandlung ist in der Regel ambulant durchführbar und verursacht kaum Schmerzen, da sehr kurze Laserpulse ausreichen und dabei weder Wärme noch Druck entstehen. Allerdings ist diese Behandlungsmethode nicht für jeden geeignet: Jüngere Patienten leiden häufig noch an sehr kleinen Glaskörpertrübungen, die sich sehr nah an der Netzhaut bewegen. Hier wäre der Einsatz eines Lasers zu riskant.

Noch harmlos oder schon gefährlich? So grenzen Sie Mouches volantes ab

Harmlose Mouches volantes sollten Sie übrigens keinesfalls mit anderen, teils gefährlichen Krankheitsbildern verwechseln. Beobachten Sie plötzlich eine ganze Reihe tiefschwarzer Flecken, die sich synchron nach oben oder unten bewegen (einen sogenannten Rußregen), ist dies ein Symptom für eine Blutung im Glaskörper. Eine plötzliche, massive Vermehrung der Floater, eventuell begleitet von Lichtblitzen, kann auf eine hintere Glaskörperabhebung hindeuten. Diese kann im schlimmsten Fall die Ablösung der Netzhaut und damit Erblindung zur Folge haben. Wenn Sie unsicher sind, bringt der Gang zum Augenarzt Klarheit. Neu auftretende Beschwerden oder eine deutliche Verschlimmerung sollten Sie in jedem Fall untersuchen lassen.

Was Sie über Mouches volantes wissen müssen

  • Mouches volantes sind harmlose Glaskörpertrübungen, die sich durch kleine dunkle Punkte oder Schlieren bemerkbar machen.
  • Sie gehen mit dem Alterungsprozess des Auges einher und betreffen früher oder später nahezu jeden Menschen.
  • Besonders stark treten sie beim Blick auf helle Oberflächen hervor. Getönte Brillengläser können die Erscheinungen mildern.
  • Das Gehirn gewöhnt sich oft an die Trübungen und kompensiert sie – falls nicht, ist in vielen Fällen eine operative Behandlung der Mouches volantes möglich.
  • Mouches volantes haben eine ähnliche Symptomatik wie gefährlichere Krankheitsbilder – bei neu auftretenden Flecken oder stärker werdenden Beschwerden sollten Sie daher im Zweifel einen Augenarzt aufsuchen.

Quellen

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage)