Wenn Sie Probleme mit unscharfem, verschwommenem Sehen in der Ferne und insbesondere der Nähe haben, sind Sie möglicherweise weitsichtig. Wir erklären Ihnen, wie es zu Weitsichtigkeit kommt und wie man diese Form der Fehlsichtigkeit korrigieren kann.

weitsichtigkeit

Was ist Weitsichtigkeit eigentlich?

Eine Weitsichtigkeit, im Fachjargon Hyperopie bzw. Hypermetropie genannt, bezeichnet das Missverhältnis zwischen Achsenlänge und Brechkraft im menschlichen Auge. Dieses Missverhältnis ist dafür verantwortlich, dass sich der Brennpunkt hinter der Netzhaut befindet – so entsteht ein unscharfes, verschwommenes Bild. Wollen Betroffene nun Dinge aus der Nähe betrachten, reicht die Brechkraft des Auges nicht aus, um das einfallende Licht zu bündeln. Auch die Fernsicht erfordert Anstrengung, doch das Sehen in der Nähe ist bei Weitsichtigen noch stärker beeinträchtigt. Zur Erklärung: Bei einem Sehtest beim Augenarzt stellt sich heraus, dass der dioptrische Apparat des Betroffenen nur +56 statt der normalen +60 Dioptrien erreicht – ihm fehlen also +4 Dioptrien zum Normalwert. Diese Differenz kann durchaus durch die Augenlinse ausgeglichen werden; diesen Vorgang bezeichnet man als Akkommodation. Doch das ständige Ausgleichen ist anstrengend für die Augen und bringt oft Ermüdungserscheinungen und Kopfschmerzen mit sich. Eine Sehhilfe gleicht die Fehlsichtigkeit aus und entlastet die Augen.

Weitsichtigkeit: Diese Symptome treten auf

Oftmals bleibt eine Weitsichtigkeit, auch Übersichtigkeit genannt, jahrelang unentdeckt – besonders die Weitsichtigkeit bei Kindern. Sie fällt deswegen nicht auf, weil ein weitsichtiges Auge durch Anspannung der Ziliarmuskeln seine Brechkraft anpassen kann und auf diesem Weg die Fehlsichtigkeit selber ausgleicht – durch Akkommodation. Diese Fähigkeit lässt allerdings mit zunehmendem Alter nach, da zum einen die Augenmuskulatur schwächer wird und zum anderen die Linse Flexibilität verliert. Die weitsichtigen Augen müssen sich insbesondere bei der Betrachtung naher Gegenstände jedoch erheblich anstrengen, um ein scharfes Bild zu erhalten. Dies kann zu folgenden Begleitsymptomen führen:

Die späte Diagnose einer Hypermetropie ist – gerade bei jungen Leuten – oft damit zu begründen, dass die genannten Symptome nicht direkt mit einer Weitsichtigkeit in Verbindung gebracht werden. Fällt es Ihnen schwer, ohne Anstrengung zu lesen oder am Bildschirm zu arbeiten, oder stellen Sie die genannten Begleitsymptome bei sich fest, suchen Sie unbedingt einen Augenarzt auf. Mithilfe eines Weitsichtigkeitstests kann bestimmt werden, ob und wie stark weitsichtig Sie sind.

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Weitsichtigkeit und ihre Ursachen

In den meisten Fällen ist die Übersichtigkeit angeboren. Entweder handelt es sich um eine sogenannte Brechungshyperopie oder eine Achsenhyperopie. Bei der Brechungshyperopie liegt ein axialer Brechungsfehler vor – was bedeutet, dass die Brechkraft des Auges zu gering ist. Bei einer Achsenhyperopie handelt es sich hingegen um einen zu kurzen Augapfel bei normaler Brechkraft. Er bewirkt, dass der Brennpunkt hinter statt auf der Netzhaut liegt.

Wenn eine Weitsichtigkeit plötzlich und unerwartet auftritt, können auch ernsthafte Erkrankungen die Ursache sein: Dazu gehören zum Beispiel krankhafte Veränderungen von Hornhaut oder Linse sowie Tumore. Daher ist es wichtig, zur Sicherheit einen Augenarzt zu konsultieren, der schwerwiegende Erkrankungen ausschließen kann.

Eine Hyperopie behandeln oder korrigieren

Da eine Übersichtigkeit bis zu einem gewissen Grad vom Auge ausgeglichen werden kann, ist nicht immer eine Korrektur notwendig. Allerdings führt die ständige Akkommodation der Linse sowie der Ziliarmuskeln schneller zu deren Erschlaffung – dies kann eine früher eintretende Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) zur Folge haben: Eine Übersichtigkeit um die +3 Dioptrien sollte daher unbedingt korrigiert werden, da die Linse andernfalls übermäßig beansprucht wird. Auch ein zu hoher Augeninnendruck oder Schielen können die Folge sein, wenn eine ausgeprägte Weitsichtigkeit nicht korrigiert wird. Auf Dauer kann ein zu hoher Augeninnendruck sogar zu Grünem Star führen, aus dem im schlimmsten Fall Blindheit resultiert.

Kontaktlinsen und Brillen korrigieren die Hyperopie

Die Korrektur einer Hypermetropie erfolgt durch den Ausgleich des Brechungsfehlers – diesen Ausgleich leistet entweder eine Brille oder Kontaktlinsen. Bei Erwachsenen werden alternativ auch Laserbehandlungen oder Operationen durchgeführt.

Die positiven Stärken der Brillen und Kontaktlinsen verschieben den Brennpunkt nach vorne auf die Netzhaut (Retina) und erhöhen somit die Brechkraft des Auges. Dazu kommen – sowohl bei Brillen als auch bei Kontaktlinsen – Sammellinsen zum Einsatz, deren Korrekturwert in Dioptrien angegeben wird. Die bei Ihnen gemessenen Stärken, zum Beispiel +3,5 Dioptrien, werden in Ihrem Brillenpass festgehalten.

Methoden zur permanenten Korrektur einer Weitsichtigkeit

Während Brillen und Kontaktlinsen die Weitsichtigkeit ausgleichen, beheben Laser-Operationen das Problem permanent – bereits seit den 1960er-Jahren werden Laseranwendungen zur Behandlung von Fehlsichtigkeit eingesetzt. Vorherrschend sind die Photorefraktive Keratektomie (PRK) und die LASIK-Methode. Während der PRK wird ein rund 0,1 mm dicker Teil der zentralen Hornhaut abgeschliffen, sodass sich die Brechkraft des Auges um den zu korrigierenden Wert ändert. Nachteile der PRK sind zum einen die Schmerzen nach dem Eingriff sowie der langsame Heilungsprozess.

Die LASIK-Methode ist die am meisten angewendete Methode zur Behebung einer Fehlsichtigkeit. Geeignet ist sie für eine Übersichtigkeit bis +3 Dioptrien – eine Altersweitsichtigkeit kann jedoch nicht verbessert werden. Unter folgenden Umständen wird von einer Laserbehandlung abgeraten:

  • Der Patient jünger als 18 Jahre.
  • Die Fehlsichtigkeit verändert sich immer wieder stark.
  • Der Patient leidet unter Grauem Star, chronischen Hornhauterkrankungen oder systemischen Immunerkrankungen.

Die wichtigsten Eckpunkte zur Übersichtigkeit

  • Bei einer Weitsichtigkeit sehen Betroffene Gegenstände nur verschwommen – in der Ferne und besonders in der Nähe.
  • Eine Weitsichtigkeit wird bei Kindern und Heranwachsenden oft nicht erkannt, da das Auge die Fehlsichtigkeit noch selbst ausgleichen kann. Durch die ständige Anstrengung kommt es oft zu Symptomen wie Kopfschmerzen, brennenden Augen und Ermüdungserscheinungen.
  • Eine Übersichtigkeit ist meistens angeboren: Es handelt sich um eine Verkürzung des Augapfels bzw. eine zu niedrige Brechkraft des Auges. In seltenen Fällen stecken Ursachen wie eine krankhafte Veränderung der Hornhaut bzw. Linse oder Tumorerkrankungen hinter einer Weitsichtigkeit.
  • Die Hyperopie kann mittels einer Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Alternativ sind auch Laserbehandlungen oder eine Augenoperation möglich.

Quellen

Weitsichtigkeit (Hyperopie), Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Das fehlsichtige Auge, Zeiss.de