U-Untersuchungen für Kinder: Erkrankungen früh erkennen

Je frühzeitiger eine Erkrankung erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Deswegen stehen jedem Kind in Deutschland in den ersten sechs Lebensjahren 10 kostenlose U-Untersuchungen zu. Bei diesen Vorsorgeuntersuchungen werden die Kinder auch auf mögliche Augenerkrankungen wie Grauen Star, eine Trübung der Augenlinse oder ein Retinoblastom untersucht. Lesen Sie hier, was bei den als „U1“ bis „U9“ bezeichneten Untersuchungen ansteht.

U1: Die U-Untersuchung für Neugeborene

Die erste der 10 U-Untersuchungen findet direkt nach der Geburt statt. Bei diesen Vorsorgeuntersuchungen wird festgestellt, ob die Kinder die Geburt gesund überstanden haben. Ausschlaggebend dafür sind die sogenannten APGAR-Werte:

  • Atmung
  • Puls (Herzfrequenz)
  • Grundtonus (Muskeltonus)
  • Aussehen (Hautfarbe)
  • Reflexe

Anhand dieser Werte, die unmittelbar nach der Geburt sowie weitere 5 und 10 Minuten danach erhoben werden, erkennt der Kinderarzt, ob eventuelle Anpassungsstörungen beim Neugeborenen vorliegen. Um anhand des pH-Werts zu überprüfen, ob das Baby während der Geburt mit genügend Sauerstoff versorgt wurde, wird außerdem Blut aus der Nabelschnur entnommen.

Weitere Bestandteile der ersten U-Untersuchung können ein Hörtest, ein Test auf angeborene Stoffwechselstörungen und seit dem 1. September 2016 auch ein Test auf Mukoviszidose sein. Für die Blutgerinnung wird Vitamin K verabreicht, die erste Dosis von insgesamt drei. Wie bei allen folgenden U-Untersuchungen wird das Kind auch bei der U1 gemessen und gewogen.

Alle Ergebnisse der Früherkennungsuntersuchungen werden in das Gelbe Heft eingetragen, das den Eltern von nun als Orientierung dient. In diesem Heft ist vermerkt, wann welche U-Untersuchung ansteht und was dabei im Einzelnen untersucht wird. Ab dem 1. September 2016 enthält das Heft außerdem eine herausnehmbare Teilnehmerkarte, mit der die dokumentierten Untersuchungen bei Bedarf bei Behörden, Kitas oder Schulen belegt werden können.

U2: Die zweite Vorsorgeuntersuchung der Kinder zwischen dem 3. und 10. Lebenstag

Eine allumfassende Untersuchung von Kopf bis Fuß – das ist die U2 zwischen dem 3. und 10. Lebenstag. Meist findet diese U-Untersuchung sogar noch in der Entbindungsklinik statt. Ist das nicht der Fall, sollten die Eltern nach der Geburt möglichst schnell einen Termin in einer Kinderarztpraxis vereinbaren. Die Kinder werden bei dieser Vorsorgeuntersuchung gründlich auf angeborene Erkrankungen, Fehlbildungen oder Störungen untersucht, damit diese schnell behandelt werden können und das Risiko von Folgeschäden minimiert wird. Besondere Beachtung bei dieser Früherkennungsuntersuchung finden: Haut, Sinnesorgane, Brust- und Bauchorgane, Geschlechtsorgane, der Kopf sowie das Skelettsystem mit Muskeln und Nerven.

Auch die Augen der Kinder werden in diesen Vorsorgeuntersuchungen genauer inspiziert. Der Kinderarzt stellt fest, ob eines oder beide Augenlider sichtbar herabhängen. Er untersucht das Kind auf Leukokorie, ein weißliches Aufleuchten der Pupille, das bei einem Gegenlichttest zum Vorschein kommt, auf Augenzittern (Nystagmus), eine mögliche Spaltbildung im Bereich des Auges (Kolobom) sowie auf Bulbusgrößenauffälligkeiten. Um herauszufinden, ob das Baby zum Schielen neigt, beziehungsweise ob es erste Anzeichen von Strabismus zeigt, führt der Arzt den Brückner-Test durch. Dabei wird der Raum abgedunkelt und die Pupillen des Kindes aus einer Entfernung von 10 bis 30 Zentimetern durchleuchtet. Entscheidend ist, dass die Pupillen seitengleich aufleuchten. Mit diesem Test werden bei der U-Untersuchung auch Augenerkrankungen wie die Ungleichsichtigkeit oder Grauer Star (Katarakt) erkannt, sodass die Ärzte schnell reagieren können.

U3 bis U9: Wie Kinder sich zwischen den Vorsorgeuntersuchungen entwickeln

Bei den folgenden U-Untersuchungen, die in immer größer werdenden Abständen stattfinden, setzt der Arzt die körperliche Untersuchung kontinuierlich fort. So erfolgt bei der U3, die zwischen der 4. und 5. Lebenswoche stattfindet, eine Ultraschall-Untersuchung der Hüftgelenke, um mögliche Fehlstellungen rechtzeitig behandeln zu können. Zunehmend rückt auch die Überprüfung der altersgerechten geistigen und motorischen Entwicklung in den Fokus der Vorsorgeuntersuchungen der Kinder. So überprüft der Kinderarzt bereits bei der U3, ob das Baby aufmerksam die Bewegungen vor seinem Gesicht verfolgt, ob es sein Gegenüber anschaut, auf Geräusche reagiert und auf dem Bauch liegend das Köpfchen halten kann. Darüber hinaus berät der Arzt über wichtige Impfungen und die Einnahme von Vitamin D und Fluorid zur Rachitis- beziehungsweise Kariesprophylaxe.

Auch bei der U4 zwischen dem 3. und 4. Lebensmonat beobachtet der Arzt, ob Ihr Baby sich altersgerecht bewegt, reagiert und einwandfrei sehen und hören kann. Bei der U5 zwischen dem 6. und 7. Monat prüft der Kinderarzt weiterhin, ob das Baby nach Dingen in seiner Reichweite greift und wie es allgemein um dessen Beweglichkeit und Körperbeherrschung steht. Außerdem werden die Augen nochmals getestet. Mit einem Augenspiegel stellt der Kinderarzt fest, ob das Kind schielt. Ein weiteres Thema ist die Förderung der Sprachentwicklung, die nun wichtig wird. Bei der U6, die zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat erfolgt, wird neben der Köperkoordination auch geprüft, ob das Kind schon erste Worte oder Doppellaute wie „Dada“ oder „Mama“ bildet.

U-Untersuchungen von Klein- und Schulkindern

Erst ein Jahr später erfolgt die nächste U-Untersuchung: die U7 zwischen dem 21. und 24. Monat. Das Baby ist in der Zwischenzeit zu einem Kleinkind herangewachsen und wird nun wie bei den vorangegangenen U-Untersuchungen auf seine motorischen und geistigen Fähigkeiten untersucht. Bewegt es sich altersgerecht? Kann es mindestens zehn Worte sprechen und zwei Worte richtig kombinieren? Kann es einen Turm aus Bauklötzen bauen und einen Ball kicken, ohne umzufallen? Auch das Sehvermögen stellt der Kinderarzt erneut auf den Prüfstand. Genau wie bei der folgenden U-Untersuchung, der U7a im Alter von 3 Jahren (34. bis 36. Monat), bei der Tests zur Untersuchung des räumlichen Sehens sowie Sehtests zum beidseitigen und zum Rechts- wie Links-Sehen durchgeführt werden. In diesen sowie den beiden letzten U-Untersuchungen vor der Einschulung des Kindes steht auch das Sozialverhalten im Fokus. So untersucht der Arzt bei der U8 (46. bis 48. Monat) neben Bluthochruck, Kieferentwicklung und der motorischen und sprachlichen Entwicklung des Kindes auch dessen soziales Verhalten wie Kontaktfähigkeit und Selbstständigkeit.

Bei der U9, der letzten Vorsorgeuntersuchung, sind die Kinder 5 Jahre alt (60. bis 64. Monat) und stehen mehr oder weniger kurz vor der Einschulung. Auch jetzt führt der Kinderarzt noch einmal einen Sehtest durch, untersucht die Feinmotorik, Koordination, Sozialverhalten, Intelligenz und psychische Entwicklung des Kindes. Seine Einschätzung ist ausschlaggebend dafür, wann das Kind eingeschult werden kann.

U-Untersuchungen auf einen Blick

  • Es gibt 10 kostenlose Vorsorgeuntersuchungen für Kinder in den ersten 6 Lebensjahren: U1 bis U9 (inkl. U7a).
  • Von Geburt an werden die Kinder regelmäßig auf eventuelle Erkrankungen untersucht, um diese bestmöglich behandeln zu können.
  • Neben der motorischen und geistigen Entwicklung wird bei der U-Untersuchung auch regelmäßig die Sehkraft der Kinder getestet.

Quellen

onmeda.de
gesundheits-lexikon.com