Das passiert bei der Spaltlampen­untersuchung

Die Spaltlampenuntersuchung zählt zu den wichtigsten diagnostischen Methoden während einer augenärztlichen Beratung. Lesen Sie hier, wie diese Untersuchung abläuft und über welche Krankheiten sie Aufschluss geben kann.

spaltlampenuntersuchung

Geschichte und Aufbau der Spaltlampe

Die Spaltlampe gehört zur Grundausstattung einer jeden Augenarztpraxis. Sie wurde 1910 vom schwedischen Arzt und Nobelpreisträger Allvar Gullstrand erfunden und war rasch als Untersuchungsgerät in der Augenheilkunde etabliert. Sie erlaubt die mikroskopische Untersuchung der Hornhaut, der Bindehaut und der Linse. Aber auch tiefer liegende Bestandteile des Auges kann der Arzt durch die Spaltlampe betrachten und so etwaige Erkrankungen erkennen. Seinen Namen erhielt das Untersuchungsgerät vom schmalen, spaltförmigen Lichtstrahl, den es erzeugt.

Auf der einen Seite ist eine Vorrichtung angebracht, auf welcher der Patient sein Kinn ablegen kann. Auf der anderen Seite befinden sich die Lichtquelle sowie ein Stereomikroskop, das es dem Arzt erlaubt, das Auge des Patienten in 6- bis 40-facher Vergrößerung zu untersuchen. Im Laufe der Jahre wurde die Spaltlampe um weitere Komponenten ergänzt: Seit Mitte des 20. Jahrhundert befindet sich oft auch eine zusätzliche Laserlichtquelle am Gerät, die kleinere chirurgische Eingriffe erlaubt. Eine Kamera ermöglicht es zudem, diese Operationen filmisch zu dokumentieren oder Befunde fotografisch festzuhalten. In den meisten Fällen ist die Spaltlampe heutzutage auch mit einem Applanationstonometer ausgestattet, das zur Messung des Augeninnendrucks dient.

Wie läuft eine Spaltlampenuntersuchung ab?

Bei einer Spaltlampenuntersuchung legen Sie Ihren Kopf zunächst auf der dafür vorgesehenen Vorrichtung ab. Das Gerät wird anschließend so verstellt, dass Sie mit dem Auge direkt in ein Objektiv blicken. Indem er verschiedene Spaltbreiten und Belichtungsmethoden ansetzt, kann der Augenarzt verschiedene Bereiche des Auges genauer unter die Lupe nehmen. So sieht er je nach direkter, indirekter, retrograder oder farbiger Beleuchtung, ob die Hornhaut Läsionen aufweist, ob die Augenlinse getrübt oder ob das Kammerwasser in ausreichender Menge vorhanden ist. Mit dem Applanationstonometer lässt sich zudem der Augeninnendruck bestimmen.

Auch bei der Untersuchung der Netzhaut kann eine Spaltlampe behilflich sein. Der Augenarzt braucht dazu jedoch ein zusätzliches Gerät, meist ein Dreispiegelkontaktglas. Es wird mit dem einen Ende auf die Augenoberfläche aufgelegt, mit dem anderen auf die Spaltlampe aufgesetzt. So werden Schäden auf der Retina gut sichtbar. Damit diese Untersuchungsmethode für den Patienten ebenfalls schmerzfrei bleibt, betäubt der Arzt die Hornhaut in der Regel mit speziellen Augentropfen. Zudem wird zur Untersuchung der Netzhaut ein pupillenerweiterndes Präparat verabreicht. Komplikationen sind bei der Spaltlampenuntersuchung keine zu erwarten.

Wann wird eine Spaltlampenuntersuchung vorgenommen?

Dank ihrer Vielseitigkeit gibt es zahlreiche Beschwerden und Krankheitsbilder, bei der eine Spaltlampenuntersuchung sinnvoll ist. Deshalb findet sie auch bei nahezu jedem Augenarztbesuch in irgendeiner Form statt. Verletzungen und Entzündungen der Horn- oder Bindehaut lassen sich auf diese Weise genauso sicher feststellen wie ernstere Erkrankungen, etwa Tumore der Netz- oder Regenbogenhaut. Auch im Alter recht häufig auftretende Krankheiten wie Grauer oder Grüner Star und die Makuladegeneration diagnostiziert der Arzt mithilfe der Spaltlampe. Ein Katarakt zeigt sich im Licht durch eine gelbliche Trübung der Linse. Um Schäden am gelben Fleck oder erhöhten Augeninnendruck festzustellen, bedarf es mit dem Applanationstonometer und dem Dreispiegelkontaktglas weiterer Hilfsmittel. Das Spaltlampenmikroskop ist folglich das wichtigste Instrument eines Augenarztes – lediglich bei Fehlsichtigkeiten ist er auf andere Geräte, beispielsweise das Autorefraktometer, angewiesen.

Die Spaltlampenuntersuchung im Überblick

  • Die Spaltlampenuntersuchung wurde 1910 entwickelt und ist seither das wichtigste diagnostische Verfahren eines Augenarztes.
  • Der Patient blickt dabei in ein Objektiv, während der Arzt die einzelnen Bestandteile des Auges durch verschiedene Beleuchtungsmethoden und Hilfsmittel in Vergrößerung sehen und beurteilen kann.
  • Eine Vielzahl ophthalmologischer Erkrankungen kann so festgestellt werden.
  • Die Untersuchung ist äußerst risikoarm und verläuft in der Regel völlig schmerzfrei.

Quellen

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).

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