Die Gleitsichtbrille: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Brillenträger, die für die Ferne eine andere Sehstärke als zum Lesen benötigen, entscheiden sich anstatt für zwei separate Brillen häufig für Gleitsichtgläser. Die Preise für solche Brillen sind oft erheblich höher als jene für Einstärkengläser. Lesen Sie hier, was der Grund für die große Differenz ist und wie sich beim Kauf einer Gleitsichtbrille Geld sparen lässt.

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Gleitsichtbrillen – praktisch, aber kostspielig

Gleitsichtbrillen sind eine ausgeklügelte Erfindung. Sie erlauben dem Träger, sowohl in der Ferne als auch auf nächster Nähe scharf zu sehen, und das ohne sichtbaren Übergang im Brillenglas. Daher wählen viele Brillenträger ab 40 Jahren, bei denen sich zusätzlich zu ihrer Kurzsichtigkeit allmählich eine Altersweitsichtigkeit bemerkbar macht, diese Brillenart. Alternativen wie Tri- oder Bifokalbrillen, die über zwei beziehungsweise drei deutlich voneinander getrennte Linsen für die Fern- und Nahsicht verfügen, empfinden viele Fehlsichtige aufgrund der sichtbaren Trennlinien oft als unästhetisch und unpraktisch. Die 1959 in Frankreich entwickelten Gläser sind im Vergleich zu Einstärkenbrillen wesentlich teurer – eine Ausgabe, die weder das Sozialamt noch die Krankenkasse übernimmt. Was ist der Grund dafür, dass die Kosten für eine Gleitsichtbrille verhältnismäßig hoch sind?

Gleitsichtbrille: Hohe Kosten durch aufwändigen Herstellungsprozess

Der Herstellungsprozess von Brillengläsern erfordert stets folgende Arbeitsschritte: Nachdem die Gläser in Form gebracht, poliert und signiert wurden, werden sie gereinigt. Falls die Gläser getönt sein sollen, werden sie an dieser Stelle eingefärbt, ehe sie mittels einer speziellen Beschichtung kratzfest gemacht und schließlich in den Rahmen montiert werden. Bei Gleitsichtgläsern ist der Aufwand nochmals höher, was zum einen damit zusammenhängt, dass verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Brechwerten und Achsen eingearbeitet werden müssen. Zum anderen lassen sich Gleitsichtgläser seit dem Jahr 2000 individuell anpassen. Das bedeutet, dass in die Gläser nicht nur die vom Augenarzt oder Optiker ermittelten Werte eingearbeitet werden, sondern auch Faktoren wie Pupillenabstand, Vorneigung, HSA (Hornhautscheitelabstand) oder die Form der Fassung Ihrer Brille Berücksichtigung finden. Die ohnehin schon technisch komplexe Anfertigung wird dadurch noch zeitaufwändiger und damit letztlich kostspieliger.

So reduzieren Sie die Kosten für eine Gleitsichtbrille

Die Preise für Gleitsichtgläser variieren zwischen 200 und 1.400 Euro – eine große Spanne, die dadurch zustande kommt, dass drei Faktoren die Kosten einer Brille bestimmen.

  • Neben den Gläsern wirkt sich das Gestell auf die Kosten für eine Gleitsichtbrille aus. Markenmodelle sind teurer als No-Name-Brillen, sie sind aber auch extravaganter. Falls Sie Ihre Brille mehr als modisches Accessoire und weniger als Gebrauchsgegenstand betrachten, ist die Wahl eines kostspieligeren Marken-Modells womöglich sinnvoll.
  • Achten Sie jedoch nicht nur auf die Optik, sondern auch auf den korrekten Sitz des Gestells: Die Brille darf weder auf dem Nasenrücken noch hinter den Ohren drücken.
  • Die dritte Komponente, die den Preis für eine Gleitsichtbrille derart hoch ausfallen lässt, sind die Servicekosten. Je umfassender die Beratung ist, die Sie in Anspruch nehmen, desto teurer wird auch die Brille. Oft ist die Gewinnspanne der Optiker aber recht hoch, weshalb es sich lohnen kann, den Preis zu verhandeln.

Beim Kauf einer einfachen Einstärkenbrille stellen Online-Shops unter Umständen eine günstige Alternative dar, doch gerade bei Gleitsichtbrillen trifft das nicht unbedingt zu. Zwar können Sie Brillengestelle für eine Gleitsichtbrille zum Teil zu günstigeren Preisen bekommen als beim stationären Optiker, doch dafür müssen Sie auf die sorgfältige Anpassung Ihrer Brillengläser verzichten. Die Brillenglaszentrierung, die beim Optiker für jedes Auge individuell durchgeführt wird, ist besonders bei einer Gleitsichtbrille sehr wichtig. Sind die Gläser nicht korrekt an wichtige Größen wie Pupillenabstand, Vorneigung und Durchblickhöhe Ihrer Augen angepasst, kann es nämlich passieren, dass Sie beim Blick in die Ferne die Sehstärke für den Nahbereich vor Augen haben. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig müssen Gleitsichtbrillen, die nur auf Basis des Pupillenabstands und der Brillenpassdaten angefertigt werden, deshalb den Hinweis enthalten, dass sie im Straßenverkehr eine Gefahr darstellen können. Und auch an der Qualität der Gläser sollten Sie nicht sparen: Zwar sind vergleichsweise günstige Produkte aus Asien erhältlich, doch laut dem Urteil von Fachleuten reichen sie qualitativ nicht an individuell angepasste Gläser aus Deutschland heran.

Quellen

Sozialamt muss keine Gleitsichtbrille zahlen auf aerztezeitung.de

Wie entsteht ein Brillenglas? auf zeiss.de