Spectacles: Videokamera als Sonnenbrille getarnt. Oder umgekehrt?

Mit elektronischen Funktionsbrillen wird derzeit in vielen Bereichen experimentiert. Virtual und Augmented Reality nennen Experten die Möglichkeit, sich mittels optischer Sichtgeräte in künstliche oder halbvirtuelle Welten zu versetzen. In der Regel sind solche Brillen als Spielzeuge zu verstehen, die als Ergänzung zu Konsolen oder Smartphones dem Entertainment dienen. In der Unterhaltungsbranche sind auch die Spectacles von Snapchat angesiedelt. Obwohl sie den Look von Sonnenbrillen aufweisen, dienen sie in erster Linie als Gestell für Videokameras.

Wie funktionieren Spectacles?

Die gute Nachricht, die den Spaßfaktor sicherlich unterstützt: Die Kamera ist denkbar einfach zu bedienen. Am Brillengestell befindet sich eine Taste, die bei einmaligem Drücken einen 10-sekündigen Film aufnimmt. Kurz bevor die Aufnahmezeit beendet ist, lässt sie sich durch weiteres Tastendrücken auf bis zu 30 Sekunden verlängern.

Was zeichnet die Videoaufnahmen mit Spectacles aus?

Die Ego-Perspektive ist das Besondere, wenn auch nicht Neue an den Spectacles. Alle Action Cams funktionieren nach diesem Prinzip. Aber wer schnallt sich schon gerne eine Action Cam auf den Kopf, um gemütlich durch die Stadt zu bummeln oder in einem Bistro sein Essen zu filmen? Die Spectacles sind aber genau dafür gedacht: eher für die kleinen und kurzen Momente zwischendurch, nicht für wilde Ritte mit Bike oder Snowboard. Das Format dieser filmenden Sonnenbrille erfolgt in einer Weitwinkel-Perspektive, was beim Betrachten des fertigen Materials zu einer leichten Fish-Eye-Optik führt.

Wofür eignen sich die Aufnahmen?

Anspruchsvolle Hobby-Filmer, die sogar Wert darauf legen, das Filmmaterial später in andere Filme einzubauen oder sogar mit HD-Material zusammenzuschneiden, werden kaum Freude an dieser Spaßbrille haben. Das ist allerdings auch nicht ihr Sinn und Zweck. Spectacle-Filmchen sind nicht für die Ewigkeit gedacht, sondern für das genaue Gegenteil: alsbald wieder zu verschwinden.

Hinter der Marke steckt die Firma Snap Inc., besser bekannt unter ihrem ehemaligen Namen Snapchat. Die gleichnamige App steht für ein neues, auf kurzweiliges Vergnügen ausgelegtes Social Medium, in dem sich die Teilnehmer untereinander Bilder und Filme zusenden können. Mit diversem optischem Text- und Emoticon-Beiwerk lassen sich die Aufnahmen, meistens Selfies, zu lustigen Bildern mit Cartoon- oder Comic-Charakter pimpen, wie es heute so schön heißt. Werden sie zum ausgewählten Kontakt verschickt, verschwinden die Aufnahmen nach 24 Stunden wieder. Auf diese Weise bleibt Snapchat das, was es sein soll: ein soziales Spaßmedium, das für den Moment gedacht ist. Also nicht für die Ewigkeit, als Futter für riesige Datenspeicher. Dieser Philosophie trägt auch das Design der Brille Rechnung.

Wie ist das Aussehen der Spectacles zu bewerten?

Die eigentliche Technologie wäre auch ohne das ausladend-üppige Brillengestell ausgekommen. Im Wesentlichen handelt es sich bei den außen deutlich sichtbaren Funktionselementen um zwei Ringe. Einer umschließt als Fassung oben rechts die optische Aufnahmelinse. Der andere funktioniert als LED-Anzeige für die laufende Restdauer einer Aufnahme. Wird eine Person gefilmt, kann sie das anhand der Anzeige sehen.

Es gibt Damen-Sonnenbrillen, deren Design deutlich offensiver als die Spectacles ausfällt. Aber von einem dezenten Look kann der Träger der Spectacles nicht ausgehen. Gerade darin darf man aber den Vorteil sehen: Privatdetektive, Heimlichfilmer und Hobby-Paparazzi gehören nicht zu den Zielgruppen, die Snapchat mit seinem Produkt erreichen will. Das ist ein sympathischer Aspekt, mit dem sich der Hersteller von vornherein alle Vorwürfe erspart, die man bei einem solchen Produkt naturgemäß zu erwarten hätte.

Als launiges technisches Accessoire sind Spectacles für spaßige Situationen in der Clique gedacht. Frischgebackene Eltern, Welpenbesitzer oder Katzenvideo-Filmer können ebenso viel Vergnügen daran haben. Inwieweit sich mittelfristig eine eigene Snapchat-Spectacle-Ästhetik oder sogar ein Kult entwickeln, bleibt abzuwarten.

In Deutschland ist die Brille erst seit 2017 erhältlich. Auch im Herkunftsland USA ist sie noch weit davon entfernt, eine neue Massenkultur auszulösen.

Was wird benötigt, um Spectacles zu benutzen?

Die Filme werden auf dem Chip der Brille zwischengespeichert und dann per Bluetooth oder WLAN auf das Smartphone gespielt. Dort ist es möglich, sich die Filme im Hoch- oder Querformat anzuschauen und zu versenden. Dabei wird die gesamte Display-Fläche ausgefüllt. Was etwas entfernter neben dem Aufnahmefokus lag, entfällt dann praktisch aus dem Bildformat. Von daher darf man die Aufnahmeperspektive als extrem fokussiert bezeichnen. Werden die Filme auf einem anderen Medium gespeichert und versendet, was durchaus möglich ist, werden die Aufnahmen in einem kreisrunden Rahmen gezeigt.

Aber ohne ein Konto bei Snapchat ist die Nutzung der Videobrille nicht möglich – und auch nicht sinnvoll. Smartphone-User werden darin aber nichts Ungewöhnliches sehen. Als pfiffige Besonderheit darf das Etui gelten. Es dient gleichzeitig als Ladestation für die Videobrille – und schafft im aufgeladenen Zustand eine Reserve von bis zu vier Ladevorgängen für die Brille, was unterwegs sehr praktisch ist.

Fazit – Spectacles im Überblick

  • Snapchat-Fans werden den Kauf einer Spectacles als zusätzliches Spaßgerät wohl in Erwägung ziehen.
  • Wer bisher noch nichts mit Snapchat zu tun hatte, kann sich vor dem Kauf dieser Videobrille über die Möglichkeiten und Funktionen von Snapchat informieren.
  • Um eine normale Sonnenbrille handelt es sich bei der Spectacles definitiv nicht. Die Brillengläser und ihre Qualität als Blend- und UV-Schutz spielen bei Spectacles keine Rolle.

Quellen:
http://www.spiegel.de/
http://philippsteuer.de/snapchat-guide-so-funktioniert-snapchat/
https://www.golem.de/

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