Tipps zur Brillenversicherung

Bis 2004 übernahmen die gesetzlichen Krankenkassen anteilig die Kosten für Brillen und andere Sehhilfen. Diese Zeiten gehören zwar der Vergangenheit an, als Ausgleich bieten aber viele Kassen seither sogenannte Brillenversicherungen an. Informationen über die Leistungen einer Brillenzusatzversicherung und Tipps, worauf Sie vor Abschluss einer solchen Versicherung achten sollten, erhalten Sie im Folgenden.

brillenversicherung

Früher wurden Kosten für Korrekturgläser zu einem großen Teil von den Krankenkassen übernommen. Brillenträger musste lediglich für Fassungen und Zusatzleistungen wie entspiegelte Gläser zahlen. Seit dem Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Modernisierungsgesetz – GMG), das am 1. Januar 2004 in Kraft trat, gehören Brillen nur noch unter bestimmten Voraussetzungen zum Leistungsangebot der Krankenkassen. Ziel war es, durch die Reduktion der Leistungen die Lohnnebenkosten dauerhaft zu senken. Seit der Gesetzesänderung beteiligen sich die Krankenkassen daher nur noch an Sehhilfen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Kosten für die Sehhilfen Erwachsener werden lediglich in Ausnahmefällen übernommen. Mögliche Ausnahmen gelten für Menschen mit schweren Sehbeeinträchtigungen beider Augen (Sehvermögen geringer oder gleich 30%). Wird eine Bezuschussung gewährt, gilt diese grundsätzlich nur für die Brillengläser, nicht für das Brillengestell.

Leistungen und Kosten einer Brillenversicherung?

Die Brillenversicherung ist eine Individualversicherung. Anders als die gesetzlich vorgeschriebenen Sozialversicherungen wird sie vom Versicherten freiwillig abgeschlossen. Leistungen und Kosten variieren je nach Anbieter und Leistungsumfang:

  • Leistungsspektrum der Zusatzversicherungen

    Verlust, Beschädigung oder Diebstahl der Brille sind ebenso wie eine große Veränderung der Sehstärke mögliche Leistungsfälle, bei denen die Brillenversicherung die Kosten für die Anschaffung einer Brille trägt. Zusätzlich übernehmen die Versicherungsanbieter alle zwei bis drei Jahre die Kosten für eine neue Brille, auch wenn kein Versicherungsfall eintritt. Der festgelegte Höchstsatz der Kostenübernahme ist im Versicherungsvertrag festgelegt. In der Regel wird dieser als Prozentsatz oder als fester jährlicher Maximalbetrag vereinbart. Einige Versicherungspolicen beinhalten zudem die Bezuschussung von Laserbehandlungen zur Korrektur der Sehstärke oder von anderen Zusatzbehandlungen. Zudem kann man bei einigen Anbietern Brillenversicherungen nur als Teil eines größeren Versicherungspakets abschließen, z.B. in Kombination mit einer Versicherung für alternative Behandlungsmethoden.

    Soll nicht nur ein Teil der Kosten für eine neue Brille übernommen werden, bieten einige Anbieter sogenannte Nulltarifpolicen. Eine solche Brillenversicherung erstattet die gesamten Kosten – für Brillengläser samt Brillengestell. Sie greift jedoch lediglich unter bestimmten Voraussetzungen. So stehen meist nur vom Versicherer festgelegte Brillengestelle zur Auswahl. Fassungen, die nicht darunter fallen, werden lediglich bezuschusst. Zudem übernehmen einige Versicherer bei einer turnusmäßigen Erneuerung von Brillen nur dann die Kosten für die Korrekturgläser, wenn tatsächlich eine spürbare Sehstärkenveränderung vorliegt – beispielsweise bei einer Veränderung von mindestens 0,5 Dioptrien.

  • Kosten für die Zusatzversicherung einer Brille

    Die Kosten für eine Brillenversicherung variieren je nach Anbieter und Leistungsumfang. Grundsätzlich gilt jedoch: Je umfangreicher die Leistungen, desto höher sind die monatlichen Kosten.

Brillenversicherung – ein Vergleich lohnt sich

Viele Optiker bieten ihren Kunden in Kooperation mit den Anbietern eine private Versicherung für ihre neue Brille an. In der Regel ist der Versicherungspartner dabei bereits festgelegt. Entscheidet man sich für einen unabhängigen Tarif, ist die Auswahl größer. Da Leistungsspektrum und Kosten einer privaten Brillenzusatzversicherung variieren, sollte man verschiedene Anbieter vergleichen, um das beste Angebot zu finden.

Außerdem empfiehlt es sich, eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen, bevor man eine Brillenversicherung abschließt. Wie hoch ist der Betrag, wenn man die monatlichen Kosten über etwa zwei oder drei Jahre addiert? Nach dieser Zeit gewähren die meisten Versicherer unter gewissen Voraussetzungen eine neue Brille. Sind die voraussichtlichen Kosten für die Wunschbrille geringer, sollte man den Versicherungsabschluss zu überdenken.

Zudem sollten Sie vor dem Abschluss einer Zusatzversicherung folgende Punkte bedenken:

  • Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren werden die Kosten für eine einfache Brille von der Krankenkasse übernommen. Daher lohnt es sich meist nicht, eine Brillenversicherung für den Nachwuchs abzuschließen.
  • Aufgrund der Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) verschlechtert sich die Sehkraft von Menschen zwischen dem 35. und dem 55. Lebensjahr zunehmend. Lesebrillen sind jedoch vergleichsweise günstig. Eine Versicherung ist hier nicht zwingend notwendig.
  • Bei einer Kombination aus Weitsichtigkeit (Hyperopie) und Kurzsichtigkeit (Myopie) werden Gleitsichtbrillen empfohlen. Da diese in der Fertigung teurer sind, kann sich die Bezuschussung durch eine Brillenversicherung lohnen.

Darauf sollte man bei einer Brillenzusatzversicherung achten

Wer für seine Brille eine Versicherung abschließen möchte, sollte auf die Details der Police achten. Folgende Punkte sind dabei besonders wichtig:

  • Werden durch Sport- und Freizeitaktivitäten verursachte Brillenschäden übernommen?
  • Ist der selbst verschuldete Verlust der Brille versichert?
  • Greift die Versicherung auch bei Diebstählen?
  • Schließt der Versicherungsschutz auch Sonnenbrillen ein?
  • Sind Zusatzleistungen wie Entspiegelung oder Tönung abgedeckt?
  • Ist die Brillenversicherung nur im Versicherungspaket erhältlich? Werden die anderen Versicherungen benötigt?
  • Kann bei Nulltarifpolicen nur aus bestimmten Brillenmodellen gewählt werden?
  • Greift die Brillenzusatzversicherung nach Abschluss voll, oder erfolgt die Kostenübernahme zunächst gestaffelt?
  • Wie oft wird eine Bezuschussung gewährt und ist diese von der Verschlechterung der Sehkraft abhängig?
  • Wie lange muss man sich an den Versicherungstarif binden und welche Kündigungsfristen gelten?

Unabhängige Online-Vergleichsportale können beim Vergleich von Kosten und Leistungen der verschiedenen Anbieter helfen.

Quellen

Bundesgesetzblatt Online – Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung
Kassenärztliche Vereinigung Saarland – Umsetzung der GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) im Hilfsmittelbereich
Stiftung Warentest – Brillenversicherung AOK Rheinland/Hamburg: Teurer Brillenschutz
Verivox – Policen: Welche sind sinnvoll, welche unnötig?