Sich an die neue Brille gewöhnen – So klappt die Eingewöhnung

Gut Ding will Weile haben: Wer zum ersten Mal eine Brille trägt oder neue Korrekturgläser erhält, muss sich erst einmal an sie gewöhnen. Eine verzerrte Sicht ist als erster Seheindruck nicht ungewöhnlich. Was aber, wenn der Durchblick dauerhaft beeinträchtigt bleibt? Die Ursachen hierfür sind verschieden. Erfahren Sie, wie Sie sich gut an die neue Brille gewöhnen.

Eine Brille benötigt eine Eingewöhnung

Eine Brille dient dazu, Sehfehler auszugleichen. Groß ist die Enttäuschung, wenn die Sehhilfe beim ersten Tragen diese Funktion scheinbar nicht erfüllt. Falsche Dioptrienwerte oder vertauschte Brillengläser? Diese Bedenken erweisen sich in aller Regel als unbegründet – vorausgesetzt, ein Optiker oder Augenarzt hat vor der Anfertigung die Sehstärke bestimmt und die fertige Brille der Gesichtsanatomie des Trägers angepasst.

Häufig erscheint das Umfeld überscharf oder leicht verschwommen. Auch der Fassungsrand stört manchmal den Durchblick. Verantwortlich für die fehlerhafte Wahrnehmung ist das Sehzentrum des Gehirns. Es wird auf einmal mit vielen neuen Seheindrücken konfrontiert. Sie zu verarbeiten, braucht seine Zeit. Doch dies ist ein vorübergehender Zustand. Schon bald sehen die meisten Brillenträger scharf und auch den Fassungsrand nehmen sie kaum mehr wahr.

Gerade, wenn eine erste oder in der Sehstärke angepasste, neue Sehhilfe längst überfällig war, fordert sie das Gehirn ihres Trägers zunächst heraus. Dann dauert es länger, sich an die Brille zu gewöhnen. Viele Menschen warten zu lange, bis sie sich eine Brille oder neue Gläser mit den passenden Stärken anschaffen. Manche Brillenträger wiederum merken nicht, dass sie neue Korrekturgläser benötigen. Doch das Sehvermögen bleibt nicht ein Leben lang konstant. Ab einem Alter von 40 Jahren ändert sich die Sehstärke rascher als zuvor. Mitunter stecken Augenkrankheiten hinter einer Verschlechterung des Sehvermögens. Dann hilft auch eine Brille nicht. Unerlässlich ist daher der regelmäßige Besuch bei einem Augenarzt. Er führt wichtige augenheilkundliche Untersuchungen durch und überprüft im Rahmen eines Sehtests die Sehstärke. In welchen Zeitabständen eine Kontrolle notwendig ist, hängt vom Alter und von der medizinischen Vorgeschichte ab. Generell empfiehlt es sich, mindestens alle zwei Jahre einen Augenarzt aufzusuchen.

Wie lange dauert die Eingewöhnungszeit für eine Brille?

Diese Frage lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Die Dauer der Eingewöhnungszeit für die Brille ist bei jedem anders. Bei einigen beansprucht sie nur wenige Stunden oder einige Tage, bei anderen einen Monat. Vieles hängt davon ab, wie groß der Unterschied zur vorherigen Sehhilfe ist. Korrigiert die Brille gleich einige Dioptrien mehr oder verschiedene Sehfehler gleichzeitig, ist mitunter mit mehreren Wochen zu rechnen.

Treten Probleme auf, sollten Sie sie beim Abholen der neuen Brille unbedingt ansprechen. Einige davon, wie beispielsweise eine schief sitzende Brillenfassung, lassen sich nämlich schnell beheben. Nicht selten ist eine mehrmalige nachträgliche Anpassung notwendig. Dauern die Beschwerden weiterhin an und bewirkt auch eine einmonatige Eingewöhnungsphase keine oder nur geringfügige Verbesserungen, bedarf die Brille einer eingehenderen Überprüfung.

Beherzigen Sie folgende Hinweise, dann werden Sie in aller Regel schon bald voll und ganz von Ihrer Brille profitieren und die Zeit der Eingewöhnung verkürzen:

  • Verzichten Sie vor dem ersten Tragen nicht auf eine Kontrolle von Brillenglasstärke, -zentrierung und den korrekten Sitz der Fassung.
  • Tragen Sie die Brille während der Eingewöhnung kontinuierlich.
  • Zögern Sie nicht, die Brillengläser bei Problemen von einem Optiker kontrollieren zu lassen oder einen Augenarzt zurate zu ziehen.

Wichtig ist zudem, dass Sie sich auf die veränderte Situation einstellen. Fühlen Sie sich mit der neuen Brille unsicher, sollten Sie nicht gleich am Straßenverkehr teilnehmen. Außerdem sollten Sie die ungewohnte Sehhilfe zunächst nur in sitzender Position tragen. Achtsamkeit ist vor allem beim Treppenabstieg sowie bei sportlichen Aktivitäten angeraten.

Ursachen für Probleme bei der Gewöhnung an eine Brille

Die Ursachen für Schwierigkeiten mit einer neuen Brille sind vielfältig. Es ist wichtig, diesen auf den Grund zu gehen, denn die meisten Probleme lassen sich beheben. Wer die Ursachen kennt, wird die Gewöhnung an die neue Brille gelassener angehen. Insbesondere folgende Symptome bedürfen der Abklärung:

  • Unscharfes Sehen
  • Anhaltend müde Augen
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Falsche Sehstärke

Nicht gänzlich auszuschließen ist, dass die neue Sehstärke trotz Sehtest nicht stimmt. Denn unser Sehvermögen unterliegt Schwankungen. Beispielsweise beeinträchtigen Stress, wenig Schlaf oder die Einnahme bestimmter Medikamente die Sehkraft wesentlich. In solch einem Fall ist von einem Sehtest abzuraten. Andernfalls fertigt der Optiker die Brille auf der Grundlage falscher Messwerte an. Die Folge: eine überscharfe oder verschwommene Sicht.

Unzureichende Anpassung

Eine genaue Anpassung des Gestells an Ihren Kopf ist unbedingt erforderlich. Andernfalls drücken die Bügel unangenehm oder die Brille rutscht. Sitzt die Brille auch nur geringfügig schief, macht dies die Brillenglaszentrierung zunichte. Sehen Sie nicht durch die für Ihre Pupillen ausgemachten Glasmittelpunkte, ergeben sich Verzerrungen. Nach einer Weile führt dies zu müden Augen, Kopfschmerzen oder Schwindel.

Ungewohnte Korrekturen

Neue Dioptrienwerte irritieren zunächst. Aber auch die Korrektur anderer Sehfehler stellt Brillenträger vor eine Herausforderung. Häufig gleichen entsprechend geschliffene Brillengläser zusätzlich eine Hornhautverkrümmung aus, die unkorrigiert zu Verzerrungen führt. Zwar versucht das Sehzentrum diesen Abbildungsfehler zu korrigieren, doch das beeinträchtigt die Sehschärfe. Daran ist das Gehirn so sehr gewöhnt, dass es trotz der neuen Gläser den Fehler weiterhin ausgleicht und dadurch Bildverzerrungen verursacht. Sobald es sich an die Brille gewöhnt hat, sehen Sie scharf.

Neue Brillenart

Am schwierigsten gestaltet sich die Gewöhnung an eine Brille mit Mehrstärkengläsern wie bei Bifokalbrillen, Trifokalbrillen oder bei Multifokal- beziehungsweise Gleitsichtgläsern. Schließlich weisen diese gleich mehrere Sehzonen auf. Jeweils eine Zone ist für die stufenweise oder gleitende Korrektur von Nah- und Fernsicht sowie gegebenenfalls einen Übergangsbereich zuständig. Dies erfordert eine zunächst ungewohnte Augenbewegung. Wer den Blick nicht für die Ferne hebt und für die Nähe senkt, sieht schlecht. Beim seitlichen Blick ergeben sich hingegen Unschärfen. Abhilfe schafft die Mitbewegung des Kopfes. Bei Bi- und Trifokalbrillen sind zudem die Trennkanten zwischen den verschiedenen Zonen ungewohnt: Sie verursachen häufig Bildsprünge. Falsch angewendet, verursachen Mehrstärkengläser mitunter Kopfschmerzen. Doch mit etwas Übung sind diese Sehfehler schon bald beseitigt.

Falscher Anwendungszweck

Nicht jede Brille eignet sich für jeden Zweck. Eine Lesebrille ist beispielsweise lediglich für einen Abstand von 30 bis 40Zentimetern zum betrachteten Objekt gedacht. Eine für den Computerbildschirm konzipierte Arbeitsbrille korrigiert ausschließlich nahe und mittlere Distanzen zwischen 50 und 80Zentimetern. Alles, was außerhalb dieses Bereichs liegt, wirkt unscharf. Der Versuch, sich an die Brille zu gewöhnen, scheitert. Nur ein Wechsel der Sehhilfe beziehungsweise die Anschaffung einer Mehrstärkenbrille schafft dann Abhilfe.

Schwankendes Sehvermögen bei Krankheiten

Auch Krankheiten verschlechtern mitunter die Funktion einer Brille. Insbesondere bei Diabetikern und Menschen mit Bluthochdruck schwankt das Sehvermögen. Dies macht es schwerer, sich an die Brille zu gewöhnen. Einige Menschen wissen auch gar nicht, dass ihr Blutzuckerspiegel oder Blutdruck nicht in Ordnung ist. Bei Verdacht hilft nur ein Besuch beim Augenarzt. Ein Optiker ist nicht in der Lage, Krankheiten als Ursache für Eingewöhnungsprobleme zu erkennen. Augenärzte verfügen über eine allgemeinmedizinische Ausbildung und überweisen ihre Patienten wenn nötig an die entsprechenden Fachärzte.

Auf einen Blick:

  • Eine neue Brille erfordert eine Phase der Eingewöhnung.
  • Nur das konsequente Tragen während der Anfangszeit ermöglicht es, sich an die Brille zu gewöhnen.
  • Dauerhafte Sehbeeinträchtigungen bedürfen der Abklärung durch einen Augenarzt und gegebenenfalls einen Optiker.