Selbsttönende Brillengläser – variable Lichtverhältnisse, variable Tönung

Wechselhaftes Wetter stellt für Brillenträger eine besondere Herausforderung dar. Es gilt zu entscheiden: Reicht die herkömmliche Korrekturbrille aus, oder wird eine Sonnenbrille benötigt? Und wenn ja, welche Tönungsstufe ist die richtige? Selbsttönende Brillengläser passen sich automatisch den Lichtverhältnissen an und vereinen damit die Vorteile von Korrektur- und Sonnenbrillen in einer einzigen Fassung. Im Folgenden erfahren Sie mehr über Funktionsweise sowie Vor- und Nachteile selbsttönender Gläser.

selbsttönende brillengläser

Selbsttönende Brillengläser für wechselhaftes Wetter

Das menschliche Auge ist ein echter Anpassungskünstler. Ohne, dass der Mensch dies bewusst wahrnimmt, stellt es sich laufend auf wechselnde Lichtverhältnisse ein. Da energiereiche UV-Strahlung das Auge und dessen Funktion nachhaltig schädigen kann, sollte es vor dieser geschützt werden. Sonnenbrillen gewährleisten je nach ihrer Lichtschutzstufe( einen guten Schutz. Liegt eine Fehlsichtigkeit vor, bieten Sonnenbrillen mit Sehstärke eine Möglichkeit, Korrektions- und Sonnenbrille miteinander zu kombinieren. Der Brillenwechsel wird überflüssig. Bei oft wechselnden Lichtverhältnissen ist eine konstante Tönung jedoch suboptimal. Sie schützt zwar die Augen, kann aber von einem auf den anderen Augenblick zu dunkel sein. Selbsttönende Brillengläser stellen eine Alternative zu reinen Korrekturbrillen und Sonnenbrillen mit Sehstärke dar.

Diese auch als phototrop bezeichneten Brillengläser passen sich den Lichtverhältnissen an, genau wie das menschliche Auge es auch tut. Phototrope Gläser reagieren auf UV-Strahlen und sind im normalen Zustand klar. Nimmt die UV-Strahlung zu, verdunkeln sie sich. Nimmt die UV-Strahlung ab, verringert sich auch die Tönung. Durch die variable Tönung lassen sich selbsttönende Gläser sowohl in Innenräumen als auch unter freiem Himmel tragen. Bei gewissen Aktivitäten eignen sie sich jedoch nur bedingt. Bei intensiver Sonneneinstrahlung oder in Umgebungen mit erhöhter Blendung bietet eine herkömmliche Sonnenbrille mit konstanter Tönung etwa einen höheren Blendschutz. So reflektieren beispielsweise Wasser und Schnee die Sonnenstrahlen und verstärken die Blendgefahr. Auch für Autofahrten eignet sich eine selbsttönende Brille nur bedingt. Da die Windschutzscheibe bereits einen Großteil der UV-Strahlung abfängt, tönen sich die Gläser nicht vollständig.

So funktionieren selbsttönende Brillengläser

Die automatische Anpassung der Tönungsintensität basiert auf einer chemischen Reaktion. Im Rahmen eines Veredelungsprozesses der Brillengläser werden photoaktive Moleküle darin eingelagert. Treffen UV-Strahlen auf die selbsttönende Brille, entfalten sich die eingelagerten Moleküle wie ein Sonnenschirm. Je intensiver die Strahlung, desto stärker die Reaktion. Da es sich um eine reversible chemische Reaktion handelt, reduziert sich die Tönung mit abnehmender Strahlungsintensität wieder.

Über den Grad der Tönung entscheidet die Intensität des Sonnenlichts. Bei hoher Intensität erreichen hochwertige selbsttönende Brillengläser eine Tönung von bis zu 90 Prozent. Um eine vollständige Glastönung zu erreichen, benötigen die meisten Brillengläser eine bis eineinhalb Minuten. Der Aufhellungsprozess verläuft deutlich langsamer. Erst nach etwa zehn Minuten wird die Grundtönung erreicht. Zudem ist die Tönung temperaturabhängig. Sehr niedrige Temperaturen begünstigen die Tönung, sehr hohe Temperaturen hemmen sie. Daher gilt: Je stärker die UV-Strahlung und je niedriger die Temperaturen, desto stärker reagieren phototrope Gläser.

Die selbsttönende Brille der Sehstärke anpassen

Die Qualität selbsttönender Brillengläser variiert mitunter stark. Sowohl Tönung als auch UV-Schutz unterscheiden sich von Modell zu Modell. Da der Tönungsgrad allein kein ausreichendes Indiz für den Lichtschutz darstellt, sollte vor allem der UV-Schutz beachtet werden. Eine selbsttönende Sonnenbrille sollte UV-Schutz 400 besitzen. Das bedeutet, dass Strahlung bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern fast vollständig herausgefiltert wird. Die entsprechende Angabe befindet sich auf den Brillengläsern. Der auf EU-Norm 1863 basierende 100-prozentige UV-Schutz gewährleistet nur einen Schutz bis zu einer Wellenlänge von 380 Nanometern.

Damit eine selbsttönende Brille mit Sehstärke ihren Zweck erfüllt, muss sie zudem auf die Fehlsichtigkeit des Trägers abgestimmt sein. Die Angaben zu den Dioptriewerten sind auf dem Brillenpass vermerkt. Liegt ein solcher nicht vor oder ist veraltet, ermitteln Augenarzt oder Optiker den Grad der Fehlsichtigkeit durch einen Sehtest.

Vor- und Nachteile selbsttönender Gläser

Selbsttönende Brillengläser scheinen zunächst eine Möglichkeit zu sein, Korrektur- und Sonnenbrille je einzeln zu ersetzen. Dies ist jedoch nur bedingt empfehlenswert. Vor der Anschaffung empfiehlt es sich, Vor- und Nachteile auf Basis der individuellen Tragegewohnheiten und Anforderungen abzuwägen:

Vorteile selbsttönender Brillengläser

  • Die Augen ermüden weniger schnell, da sie sich nicht laufend auf wechselnde Lichtverhältnisse einstellen müssen.
  • Der Wechsel von Korrektur- und Sonnenbrille entfällt.
  • Selbsttönende Brillengläser sind als Ein- und Mehrstärkengläser erhältlich.
  • Der Tönungsgrad passt sich den vorherrschenden Lichtverhältnissen an.
  • Der Veredelungsprozess ist bei Mineralglas und Kunststoff möglich.

Nachteile selbsttönender Brillengläser

  • Die Funktionalität im Auto ist aufgrund des UV-Filters moderner Windschutzscheiben eingeschränkt.
  • Beim Tragen in stark reflektierenden Umgebungen (Wasser oder Schnee) kann kein hundertprozentiger Blendschutz gewährleistet werden.
  • Temperaturen beeinflussen die Tönungsintensität.
  • Vergleichsweise hohe Anschaffungskosten.

Wie teuer sind selbsttönende Brillengläser?

Bei der Einlagerung der photoaktiven Moleküle handelt es sich um einen Veredelungsprozess des Glases. Dieser ist mit einem erhöhten Produktionsaufwand und höheren Fertigungskosten verbunden. Das spiegelt sich auch in den Preisen für selbsttönende Brillen wider. Einfache Brillen ohne Sehstärke sind ab etwa 120 Euro erhältlich. Mit Korrekturgläsern und weiteren Veredelungen wie Entspiegelung oder Härtung steigt auch der Preis für eine selbsttönende Brille. Maßangefertigte Gleitsichtbrillen mit zusätzlichen Veredelungen können mehrere hundert Euro kosten.

  • Die Tönungsintensität selbsttönender Brillengläser passt sich den Lichtverhältnissen an.
  • Die Anpassung der Glastönung beruht auf einer chemischen Reaktion eingelagerter Moleküle.
  • Für Winter- und Wassersport sowie Autofahrten sind selbsttönende Brillengläser nur bedingt geeignet.
  • Selbsttönende Brillen sind vergleichsweise teuer.