Kontaktlinsen: Welche Gefahren gibt es?

Das Tragen von Kontaktlinsen ist nicht ohne Risiko. Immerhin sitzen sie direkt auf dem Auge. Hält man sich an grundlegende Hygieneregeln und geht regelmäßig zur Kontrolle zum Augenarzt, ist die Wahrscheinlichkeit für ernsthafte Beschwerden allerdings gering.

Schaden Kontaktlinsen den Augen?

Die Brille stört so manchen beim Blick in den Spiegel, aber trotzdem zögern viele, den Schritt hin zu Kontaktlinsen zu wagen. Mit 2,99 Millionen trug nur ein recht kleiner Teil der Deutschen 2016 laut der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse dauerhaft Kontaktlinsen. Viele schreckt die Handhabung ab, andere haben Bedenken, dass Kontaktlinsen schädlich sein könnten.

Experten geben Entwarnung. Das Tragen von Kontaktlinsen ist nicht gefährlich. Allerdings hängt dabei viel vom Träger selbst ab. Wer seine Kontaktlinsen vom Spezialisten anpassen lässt und sich an die Hygienevorschriften hält, senkt das Risiko für Schäden erheblich. Auch die Wahl der richtigen Kontaktlinse spielt eine wichtige Rolle.

Sind weiche Kontaktlinsen schädlich?

Die meisten Träger entscheiden sich für weiche Kontaktlinsen. Diese sind normalerweise gut verträglich und benötigen keine lange Eingewöhnung. Harte Kontaktlinsen sind weniger verbreitet, da sie teurer und anspruchsvoller in Anpassung und Eingewöhnung sind. Sie gelten aber als gesünder für das Auge. Weiche Linsen haben einen größeren Durchmesser und sitzen fester auf der Hornhaut. Bei falscher Handhabung oder unpassenden Linsen kann es passieren, dass die Hornhaut nicht mehr optimal versorgt wird. Dadurch können Gefäße in den Augen einwachsen. Erreichen diese Einsprossungen die Pupille, können sie die Sehqualität beeinträchtigen.

Zudem bedecken weiche Kontaktlinsen das Auge wie ein Verband. Ist die Hornhaut entzündet oder verletzt, spürt der Betroffene dies deswegen erst später. Weiche Kontaktlinsen haben große Poren und funktionieren wie ein Schwamm. Sie nehmen Flüssigkeit auf und damit auch Bakterien und Keime, die dem Auge gefährlich werden können. Tatsächlich berichten Augenärzte, dass die Träger weicher Kontaktlinsen häufiger von Komplikationen betroffen sind als die Träger harter Kontaktlinsen. Aber auch weiche Kontaktlinsen sind nicht schädlich, wenn man sorgfältig mit ihnen umgeht.

Anpassung beim Spezialisten und regelmäßige Kontrollen

Weiche Linsen im Supermarkt kaufen oder im Internet bestellen? Besser nicht. Die Anpassung beim Optiker ist ein Muss. Der Spezialist begutachtet das Auge und kontrolliert, ob der Kunde überhaupt Kontaktlinsen tragen kann. Er weiß außerdem, welches Material sich am besten für das konkrete Augenpaar eignet. Auch die Werte für die Linsen müssen eigens ermittelt werden. Die Brillenwerte lassen sich nämlich normalerweise nicht eins zu eins übertragen. Bestimmte Werte wie Krümmung oder Durchmesser kann man nicht selbst bestimmen, sie sind aber ebenfalls wichtig. Unpassende Kontaktlinsen bergen Risiken. Sie verursachen Druckstellen oder Entzündungen, die im schlimmsten Fall zu Hornhauttrübungen und Narben im Auge führen.

Doch mit einem Mal Anpassen ist es nicht getan. Sehstärke und die Hornhaut können sich verändern. Deshalb sollte man seine Augen regelmäßig beim Optiker und beim Augenarzt untersuchen lassen. Träger von weichen Kontaktlinsen sollten alle sechs, Hartlinsenträger alle zwölf Monate zur Kontrolle, damit eventuelle Komplikationen rechtzeitig entdeckt werden. Zögern Sie nicht, einen Termin beim Augenarzt zu machen, wenn Sie Beschwerden beim Kontaktlinsentragen haben.

Tragezeiten einhalten

Nicht jeder kann von morgens bis abends Kontaktlinsen tragen. Bei empfindlichen Augen sind manchmal nur wenige Stunden möglich. Der Spezialist gibt eine Empfehlung ab, wie lange man die Linsen im Auge behalten soll. Daran sollte man sich unbedingt halten. Sonst riskiert man, dass die Hornhaut des Auges nicht mit ausreichend viel Sauerstoff versorgt wird.

Kontaktlinsen müssen in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. Während man harte Linsen oft ein oder sogar mehrere Jahre benutzen kann, sind weiche Linsen schneller verschlissen. Monatslinsen sollte man alle 30 Tage gegen ein neues Paar austauschen – egal ob man sie tatsächlich an 30 Tagen getragen hat oder seltener. Tageslinsen sollten wirklich nur einen Tag getragen werden. Das Material wird mit der Zeit poröser, die Sauerstoffdurchlässigkeit und der Tragekomfort nehmen ab. Dadurch kann es kurzfristig, aber auch auf lange Sicht zu Augenentzündungen und anderen Beschwerden kommen. Tag-und-Nacht-Linsen sollte man nur dann tragen, wenn der Augenarzt dies erlaubt. Auch dann freuen sich die Augen über eine linsenfreie Nacht.

Sorgfältige Hygiene verringert bei Kontaktlinsen Gefahren

Viele Augenentzündungen bei Kontaktlinsenträgern sind vermeidbar. Sie werden durch Keime, Bakterien oder Pilze ausgelöst, die sich aufgrund falscher Handhabung auf den Kontaktlinsen ansiedeln konnten. Oberstes Gebot bei Kontaktlinsen ist daher Sauberkeit. Bevor man die Linsen anfasst, wäscht man sich gründlich die Hände und trocknet sie mit einem sauberen Handtuch ab. Darüber hinaus sollte man weder die Linsen noch den Kontaktlinsenbehälter mit Leitungswasser reinigen. Im Leitungswasser können Akanthamöben enthalten sein, welche die schmerzhafte und gefährliche Akanthamöbenkeratitis auslösen.

Zur Kontaktlinsenpflege gehört die mechanische Reinigung. Dafür tropft man etwas Oberflächenreiniger oder Kombilösung auf die Linse und reibt sie sanft mit den Fingerspitzen, um Ablagerungen zu entfernen. Anschließend spült man die Linse mit etwas Kochsalzlösung ab und legt sie über Nacht zur Desinfektion in Kontaktlinsenflüssigkeit. Die Lösung sollte man jedes Mal austauschen und auf keinen Fall zweimal verwenden – wer hier spart, tut dies auf Kosten seiner Augengesundheit. Den Linsenbehälter sollte man nach der Benutzung mit Kombi- oder Kochsalzlösung ausspülen und spätestens alle drei Monate auswechseln.

Auf einen Blick: Sind Kontaktlinsen gefährlich?

  • Kontaktlinsen sind normalerweise nicht gefährlich, solange man sorgfältig mit ihnen umgeht.
  • Regelmäßige Kontrollen beugen Beschwerden vor.
  • Hygiene und die korrekte Reinigung und Desinfizierung der Linsen sind wichtig für die Augengesundheit.

Quellen

Belinda & Orlando Cordero: Kontaktlinsen
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA): Hygiene ist das A und O für Kontaktlinsenträger
Verena Arzbach: Amöben im Auge (erschienen bei Pharmazeutische Zeitung online)