Torische Kontaktlinsen: Scharfe Sicht trotz Hornhautverkrümmung

Bei Hornhautverkrümmung Kontaktlinsen tragen? Das geht! Torische Linsen wurden speziell für diese Fehlsichtigkeit entwickelt und gleichen sie manchmal sogar besser aus als Brillengläser. Doch ab wann benötigt man diese Speziallinsen und worauf muss man beim Kauf achten? Hier finden Sie Antworten.

torische kontaktlinsen

Hornhautverkrümmung weit verbreitet

Hornhautverkrümmung, auch Astigmatismus oder Stabsichtigkeit genannt, ist eine Veränderung der Hornhaut, die dazu führt, dass man verschwommen sieht. Sie ist häufig angeboren und vererbbar und ändert sich mit der Zeit nur wenig oder überhaupt nicht. Oft tritt sie zusammen mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit auf.

Die Hornhaut ist der vordere transparente Bereich des Auges. Bei einem Astigmatismus ist sie unregelmäßig geformt. Dadurch werden die ins Auge einfallenden Lichtstrahlen nicht in einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt, sondern als Linie abgebildet. Die Lichtstrahlen werden ungleich gebrochen, das Bild auf der Netzhaut ist verzerrt.

Hornhautverkrümmung ist weit verbreitet. Allerdings ist sie häufig so schwach ausgeprägt, dass sie nicht korrigiert werden muss. Wenn aber sowohl die Sicht in die Ferne als auch das Nahesehen verschwommen ist, benötigt man entweder eine Brille oder spezielle Kontaktlinsen. Torische Kontaktlinsen korrigieren den Astigmatismus in einigen Fällen sogar besser als Brillengläser, da sie direkt auf der Hornhaut sitzen, also dort, wo das Problem entsteht.

Torische Linsen bei Astigmatismus

Die Hornhautverkrümmung betrifft eine bestimmte Stelle des Auges. Es ist daher wichtig, dass die torische Kontaktlinse genau diese Stelle ausgleicht, damit auf der Netzhaut ein scharfes Bild erscheint. Sie muss im Auge eine bestimmte Position haben, damit man scharf sieht. Außerdem darf sie sich nicht bewegen – selbst wenn man zwinkert oder das Auge bewegt.

Bei einem geringen Verkrümmungsgrad benötigt man nicht unbedingt eine teure Speziallinse. Weiche sphärische Linsen gleichen den Astigmatismus etwa bis zu einer Verkrümmung bis 0,75 Dioptrien aus, formstabile Linsen sogar bis 2,50 Dioptrien. Ist die Hornhautverkrümmung stärker, benötigt man torische Kontaktlinsen. Sie haben Stabilisatoren, die dafür sorgen, dass die Linse immer in der gleichen Position sitzt und ihre Ausrichtung nicht ändert.

Welche Linse geeignet ist, entscheidet der Augenarzt oder Optiker. Dieser misst das Auge aus und untersucht die Hornhaut. Die Werte, die man bei einer Brille hat, entsprechen dabei nicht unbedingt den Werten der Kontaktlinsen. Bei einer Hornhautverkrümmung sind folgende Parameter wichtig:

  • Sphäre: die Stärke in Dioptrien. Bei Kurzsichtigkeit wird der Wert mit einem Minus angegeben, bei Weitsichtigkeit mit einem Plus
  • Zylinder: die Stärke der Hornhautverkrümmung in Dioptrien mit einem Minuszeichen davor
  • Achse: Position der Verkrümmung beziehungsweise des Zylinders, in Grad angegeben

Hart oder weich: Welche Kontaktlinsen bei Hornhautverkrümmung?

Torische Kontaktlinsen gibt es heutzutage in allen erdenklichen Ausführungen. Weiche Kontaktlinsen bei Astigmatismus zeichnen sich durch hohen Tragekomfort und einfache Handhabung aus. Allerdings können sie bei trockenen Augen problematisch sein und bei mangelnder Hygiene Augenentzündungen begünstigen. Weiche Linsen gibt es zum Beispiel als individuell angepasste Linsen, als Monats- oder als torische Tageslinsen.

Bei formstabilen torischen Kontaktlinsen dauert die Eingewöhnung etwas länger. Sie sind etwas kleiner als die weichen Linsen und bedecken die Hornhaut nicht komplett. Dadurch sind sie gesünder und auf lange Sicht verträglicher. In einigen Fällen, zum Beispiel bei einem irregulären Astigmatismus, sind harte Linsen die beste Möglichkeit, um die Verkrümmung auszugleichen.

Wer neben der Hornhautverkrümmung zusätzlich an Presbyopie (Alterssichtigkeit) leidet, bekommt dafür mittlerweile ebenfalls weiche Monatslinsen. Welcher Linsentyp zum Auge und zum Astigmatismus passt, weiß der Kontaktlinsenspezialist am besten. Eine sorgfältige Anpassung ist in diesem Fall besonders wichtig, da bei torischen Linsen mehr Parameter zu beachten sind als bei einer alleinigen Kurz- oder Weitsichtigkeit.

Das muss man über torische Kontaktlinsen wissen

  • Bei einer Hornhautverkrümmung sieht man verschwommen.
  • Bei einer schwachen Verkrümmung reicht häufig eine sphärische Linse.
  • Torische Kontaktlinsen gleichen in einigen Fällen den Astigmatismus besser aus als eine Brille.
  • Sie müssen von einem Kontaktlinsenspezialisten angepasst werden.

Quellen

AIR OPTIX: Häufig gestellte Fragen zur AIR OPTIX for Astigmatism
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA): Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)
CIBA VISION: Häufige Fehlsichtigkeiten
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde: Brillen und Kontaktlinsen
David Ruston und Isabelle Rocher: Klinische Leistung und Verträglichkeit einer neuen Silikon-Hydrogellinse für astigmatisch Fehlsichtige (erschienen in DOZ – Optometrie & Fashion, Ausgabe 09/2009)
Mirko Smiljanic: Radiolexikon Hornhautverkrümmung (erschienen bei Deutschlandfunk, Sendung vom 12. August 2008)
Jane Veys, John Meyler und Ian Davies: Grundlagen der Kontaktlinsen-Praxis: Teil 6 – Anpassung formstabiler Kontaktlinsen (erschienen in DOZ – Optometrie & Fashion, Ausgabe 11/2008)