Das Smartphone für Blinde als Alltagshilfe

Ob zur Navigation, Kommunikation oder Information – in allen Bereichen ist das Smartphone ein praktischer Helfer. Davon profitieren auch blinde und sehbehinderte Menschen: Spezielle Funktionen zur Sprachsteuerung und Sprachausgabe machen es möglich. Hier erfahren Sie, wie Blinde das Smartphone zu ihrem Vorteil nutzen können und was bei der Anschaffung zu beachten ist.

Smartphone für Blinde oder Sehende – gibt es Unterschiede?

Nach Informationen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DSBV) gab es im Jahr 2002 etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland, die blind oder sehbehindert sind. Die Zahl beruht auf einer Schätzung, da es keine statistische Erfassung blinder oder sehbehinderter Personen in Deutschland gibt. Bei Betrachtung der Zahlenentwicklung in anderen Ländern muss man zudem davon ausgehen, dass die Zahl der Sehbehinderten in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen ist. Es gibt also mehr als 1 Million Menschen, die sich ohne zu sehen in ihrem Alltag zurechtfinden müssen. Smartphones können ihnen dabei helfen.

Doch wie soll ein Smartphone für Blinde überhaupt aussehen? Schließlich ist das Bedienen der grafischen Benutzeroberfläche über den Touchscreen ein entscheidendes Merkmal der Geräte. Sämtliche Funktionen, Apps etc. sind genau auf diese Art der Nutzung ausgelegt. Blinde und sehbehinderte Menschen griffen in der Vergangenheit deshalb oft auf Handys mit extragroßen Tasten zurück, die zusätzlich mit Blindenschrift – der sogenannten Brailleschrift – versehen waren. Dabei handelt es sich um eine Schrift aus Punktmustern, die als deutliche Erhöhungen auf den Tasten zu finden sind. So können sie mit den Fingerspitzen ertastet und gelesen werden. Doch immer weiter voranschreitende technische Weiterentwicklungen sorgen seit einigen Jahren dafür, dass auch ein tastenloses Smartphone im wahrsten Sinne des Wortes blind bedient werden kann. Es sind also keine speziellen Geräte für Blinde und Sehbehinderte nötig – obgleich es natürlich Anbieter gibt, die sich darauf spezialisiert haben. Allerdings sind die maßgeblichen Kriterien beim Kauf eines Smartphones andere: Blinde achten bei einem Smartphone auf die Qualität der Sprachsteuerung oder die Verfügbarkeit von hilfreichen Apps für das entsprechende mobile Betriebssystem.

Wie wird ein Smartphone von Blinden bedient?

Die Navigation bei einem Smartphone für Blinde erfolgt mithilfe von Sprachsteuerung und Sprachausgabe. Die dazu nötigen Funktionen sind auf vielen Smartphones inzwischen vorinstalliert oder können über entsprechende Apps nachträglich eingerichtet werden.

Vorreiter in diesem Bereich war das Unternehmen Apple, das seine iPhones seit der dritten Generation mit einer Bildschirmlesefunktion namens VoiceOver ausstattet. Bei Android-Smartphones übernimmt das etwa die App TalkBack. Wenn dessen Funktion aktiviert ist, bewirkt die einfache Berührung des Displays, dass die angezeigten Inhalte vorgelesen werden. Erst das doppelte Antippen sorgt dafür, dass Befehle oder Funktionen ausgeführt werden. Zusätzlich lassen sich die meisten Smartphones mithilfe der Sprachsteuerung bedienen. Auf diese Weise können Anwendungen aktiviert, Befehle ausgeführt und Textnachrichten verfasst werden.

Blinde und sehbehinderte Nutzer, die das Tippen und Lesen bevorzugen, haben zumindest bei Android-Smartphones die Möglichkeit, eine externe Braillezeile anzuschließen. Die Verbindung erfolgt über Bluetooth, die App BrailleBack sorgt dafür, dass die Schrift der angezeigten Inhalte in Brailleschrift umgewandelt und auf der Braillezeile ausgegeben wird. Der Prozess erfolgt genau anders herum, wenn der Nutzer das Smartphone mithilfe der Braillezeile bedient oder Nachrichten verfasst.

Spezielle Apps – so hilft ein Smartphone Blinden

Das stärkste Argument dafür, dass Blinde von einem Smartphone profitieren können, ist die große Auswahl an Apps. Es gibt zahlreiche, teils kostenlose Apps, die Blinden und Sehbehinderten den Alltag deutlich erleichtern können. Neben den bereits erwähnten Apps zur Sprachsteuerung, Sprachausgabe und Unterstützung der Brailleschrift können Apps folgende Aufgaben übernehmen:

  • Einscannen und Vorlesen von beliebigen Schriftstücken (Dokumente, Zeitungsartikel, Speisekarten u. Ä. m.)
  • Beschreibung von Filmen im Kino oder auf Blu-ray
  • Erkennen und Vorlesen von Geldscheinwerten in verschiedensten Währungen
  • Beschreibung der unmittelbaren Umgebung (Straßennamen, Restaurants, Geschäfte usw.)
  • Warnung vor Hindernissen (Bäume, Zäune, Menschengruppen u. dgl. m.)

Quellen

Zahlen & Fakten des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV)