Okulomotorik (Augenbewegung)

Der Begriff Okulomotorik bezeichnet sämtliche Bewegungen des Auges. Darunter fallen sowohl die bewusst als auch die unbewusst ablaufenden Bewegungsprozesse im Auge. Für die korrekte Steuerung sind neben den unterschiedlichen Augenmuskeln zahlreiche komplexe Regelsysteme zuständig.

okulomotorik

Okulomotorik ist der medizinische Fachbegriff für die Augenbewegung. Er umfasst einerseits die gezielten Drehungen des Augapfels in sämtliche Richtungen, die für die visuelle Orientierung notwendig sind. Nur so können Gegenstände in unterschiedlichen Entfernungen fokussiert und Bewegungen wahrgenommen werden. Darüber hinaus zählen allerdings auch die unbewussten und unwillkürlichen Bewegungen der Augen dazu. Zu diesen kann es in bestimmten Schlafphasen oder infolge einer (Augen-)Erkrankung kommen. Sie sind jedoch auch Teil des normalen Sehprozesses, bei dem die Blickrichtung immer wieder durch minimale Bewegungen korrigiert wird.

Grundlagen und Physiologie der Okulomotorik

Augenbewegung wird durch die besondere Anatomie des Auges ermöglicht. Der kugelförmige Augapfel kann sich um alle Achsen drehen und dennoch seine Position in der Augenhöhle (Orbita) nahezu unverändert beibehalten. Gesteuert werden die Bewegungen von den verschiedenen äußeren Augenmuskeln, von denen es vier gerade und zwei schräge gibt. Sie verlaufen zur Lederhaut (Sklera), mit der sie an unterschiedlichen Stellen verwachsen sind. Fünf der Muskeln haben ihren Ursprung an der Spitze der Augenhöhle, einer entspringt der nasalen Wand der Orbita. Auf diese Weise sind präzise Bewegungen in alle Richtungen möglich. Sie stabilisieren beispielsweise den Blick bei Neigung des Kopfes oder bei schnellen Drehbewegungen. Darüber hinaus sorgen sie für die Augenbewegung, die das scharfe Sehen von Gegenständen in unterschiedlichsten Entfernungen möglich macht.

Verschiedene Arten der Okulomotorik

In der Theorie lässt sich die Augenbewegung in verschiedene Gruppen einteilen, die in der Realität häufig kombiniert auftreten. Für die Klassifizierung der einzelnen Bewegungsformen werden die Achsen und Meridiane, um die die Bewegungen erfolgen, sowie die Bewegungsrichtung herangezogen.

Duktionen

Unter Duktionen versteht man die Drehbewegungen eines einzelnen Auges um einen horizontal, vertikal oder schräg ausgerichteten Meridian. Abhängig von der Bewegungsrichtung des Auges werden verschiedene Varianten unterschieden:

  • Adduktion: Bewegung in Richtung der Nase
  • Abduktion: Bewegung in Richtung der Schläfe
  • Supraduktion/Elevation: Bewegung nach oben
  • Infraduktion/Depression: Bewegung nach unten

Eine Sonderform der Duktion ist die Torsion, womit das Rollen eines Auges um die Sagittalachse bezeichnet wird.

  • Inzykloduktion: Augenrollen zur Nase hin
  • Exzykloduktion: Augenrollen zur Schläfe hin

Versionen

Als Versionen werden Blickwendungen oder Bewegungen beider Augen bezeichnet. Sie sind immer gleichsinnig, erfolgen also bei beiden Augen um parallele Achsen und zur gleichen Zeit. Sie kommen bei schnellen Blickzielbewegungen oder langsamen Folgebewegungen von Objekten zum Einsatz.

  • Dextro- oder Lävoversionen: Blick nach rechts oder links
  • Supra- oder Infraversionen: Blick nach oben oder unten
  • Dextro- oder Lävozykloversionen: oberer Umfang der Hornhaut wird nach rechts oder links geneigt

Vergenzen

Im Gegensatz zu den Versionen erfolgt die Augenbewegung bei Vergenzen gegensinnig, also von beiden Augen in entgegengesetzte Richtungen. Die Bewegungsachsen sind dennoch parallel.

  • Konvergenz: Eine Konvergenz bezeichnet die Bewegung in die nasale Richtung. So überschneiden sich die Gesichtslinien vor den Augen an einem bestimmten Punkt. Das ist für die Fixierung von Gegenständen in unterschiedlichen Entfernungen nötig und somit eine wichtige Voraussetzung für die Akkommodation.
  • Divergenz: Die Augen bewegen sich jeweils in temporale Richtung, sodass sich die Gesichtslinien hinter den Augen überschneiden.

Mikrobewegungen

Neben den deutlich sichtbaren und bewusst gesteuerten Bewegungen zählen zum Bereich der Okulomotorik auch kleinste, kaum merkliche Bewegungen. Diese laufen ganz unbewusst ab, selbst wenn das Auge scheinbar völlig ruhig auf einen Punkt blickt. Sie werden je nach Bewegungsgeschwindigkeit in langsame Mikrobewegungen, Mikrosakkaden und Mikrotremor unterschieden. Ihre Funktion ist in erster Linie die Fixationskontrolle, da die Augen sonst immer wieder vom fixierten Objekt abweichen würden.

Mögliche Störungen der Okulomotorik

Es gibt eine Vielzahl von Krankheiten, die eine Störung der Augenbewegung oder sogar Augenfehlstellungen verursachen. In dem meisten Fällen sind Erkrankungen der Augenmuskulatur oder verschiedener Hirnregionen und -nerven dafür verantwortlich. Die Folgen sind Schielen (Strabismus), Augenzittern (Nystagmus), aber auch unterschiedlichste mechanische und neurogene (also von Nerven ausgehende) Störungen.

Quelle

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).

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