Das Gesichtsfeld: Alles im Blick

Ein Chamäleon hat fast alles im Blick: Es kann seine Augen unabhängig voneinander bewegen. So entgeht ihm nichts. Das menschliche Auge kann nicht ganz so viel von der Umgebung auf einmal sehen. Lesen Sie hier, wie groß das menschliche Gesichtsfeld ist.

gesichtsfeld

Das menschliche Gesichtsfeld

Das Gesichtsfeld des Menschen ist der Bereich, den er sieht, wenn er geradeaus schaut und dabei weder die Position der Augen noch des Kopfs verändert. Wirklich scharf sieht er dabei nur einen kleinen Bereich. Solange man den Augapfel nicht bewegt, sind die Randbereiche unscharf. Man unterscheidet zwei Arten von Gesichtsfeldern: Das monokulare Gesichtsfeld beschreibt, was das rechte und das linke Auge separat sehen. Es ist etwa 140 Grad weit. Das binokulare Gesichtsfeld ist der Bereich, den man mit beiden Augen gleichzeitig sieht. Es ist allerdings nicht doppelt so groß wie das Gesichtsfeld eines einzelnen Auges, sondern etwas kleiner, da sich die monokularen Gesichtsfelder beider Augen überschneiden. Diesen Schnittbereich nennt man binokulares Deckfeld. Das binokulare Gesichtsfeld hat horizontal eine Ausdehnung von etwa 180 Grad und in der Vertikalen einen Umfang von etwa 60 Grad nach oben und 70 Grad nach unten.

Wie groß das Gesichtsfeld einer Person ist, bestimmen verschiedene Faktoren. Neben der Weite der Pupillen wird es auch durch die Position der Augen beeinflusst. Liegen die Augen tief in den Höhlen, ist das Gesichtsfeld kleiner. Daneben spielen auch Alter und Geschlecht eine Rolle. Bei jungen Menschen ist das Gesichtsfeld etwas größer, mit zunehmendem Alter wird es kleiner.

Anatomische Gegebenheiten schränken das Gesichtsfeld ein. Nase, Augenbrauen und Wangenknochen begrenzen es auf natürliche Weise. Zudem befindet sich im Inneren des Auges der Blinde Fleck. An dieser Stelle trifft der Sehnerv auf die Netzhaut. Das Auge kann hier nichts sehen. Allerdings gleicht das Auge diese Gesichtsfeldeinschränkung aus, sodass man sie normalerweise nicht bemerkt. Sie hat auch keinen Einfluss auf die tatsächliche Sehleistung.

Das Blickfeld des Menschen

Im Unterschied zum Gesichtsfeld beschreibt das Blickfeld den Bereich, den man sieht, wenn man den Kopf nicht bewegt, aber die Augen. Auch hier unterscheidet man monokulares und binokulares Blickfeld. Das Blickfeld ist im Vergleich zum Gesichtsfeld etwa 60 Grad breiter, und zwar zu beiden Seiten; nach oben und unten ist es jeweils um rund 40 Grad größer.

Wenn die Sicht eingeschränkt ist

Ein großes Blickfeld beziehungsweise Gesichtsfeld ist in vielen Bereichen des Alltags wichtig. Beim Autofahren hilft es, andere Verkehrsteilnehmer, die von hinten oder von der Seite auf einen zukommen, zu bemerken. Das ist zum Beispiel beim Spurwechsel wichtig, oder wenn man überholt wird. Ist das Gesichtsfeld nicht intakt, spricht man von einem Gesichtsfeldausfall (Skotom). Die Ursache dafür können Erkrankungen oder Verletzungen der Netzhaut, des Sehnervs oder des Gehirns sein. Dazu gehören:

Nicht immer ist die Einschränkung dauerhaft. Viele Migränegeplagte erfahren während eines Migräneanfalls ein Flimmerskotom, das ihre Sicht einschränkt. Darüber hinaus können auch Stress und Ermüdung das Gesichtsfeld vorübergehend verkleinern. Häufig bemerkt der Betroffene den Ausfall zunächst nicht, weil das nicht-betroffene Auge und das Gehirn die Einschränkungen ausgleichen. Gerade im Straßenverkehr kann dies gefährlich sein. Damit solche Probleme nicht unentdeckt bleiben, sollte man regelmäßig zur Kontrolle beim Augenarzt gehen.

Auf einen Blick

  • Das Gesichtsfeld ist der Bereich, den man sieht, ohne Augen und Kopf zu bewegen.
  • Bei einem gesunden Menschen hat es eine Ausdehnung von etwa 180 Grad.
  • Bewegt man die Augen, kann man noch weiter sehen. Diesen Bereich nennt man Blickfeld.

Quellen

Niels Birbaumer und Robert F. Schmidt: Das visuelle System (aus: Biologische Psychologie. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag, 2006 (6. Auflage))
Spektrum.de: Lexikon der Biologie: Blickfeld
Spektrum.de: Lexikon der Biologie: Gesichtsfeld
Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen: Gesichtsfeld

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