Tränen: Alles Wissenswerte rund ums Weinen

Heulen, flennen, weinen – es gibt viele Ausdrücke für das Vergießen von Tränen. Jeder Mensch tut es, und zwar schon ab dem Säuglingsalter, die Gründe dafür sind allerdings verschieden. Welche drei Arten von Tränen es gibt, wozu sie gut sind und woraus sie bestehen, lesen Sie hier.

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Die wichtigen Funktionen von Tränen

Warum weinen wir? Diese Frage kann noch immer nicht zweifelsfrei beantwortet werden – zumindest nicht, wenn sie auf den Sinn von Tränen infolge von Wut, Trauer oder Freude abzielt. Theorien darüber gibt es ganz unterschiedliche. Die einen schreiben durch Emotionen hervorgerufenen Tränen eine Art erlösende Reinigung zu, andere deuten sie als visuelles Mittel, um bei Mitmenschen Mitgefühl erzeugen zu können und so Hilfe zu erhalten. Fakt ist: Tränen (in älterem Deutsch auch noch „Zähren“ genannt), produziert der Mensch quasi ständig, denn sie erfüllen wichtige Funktionen für die Augen: sie schützen und sie verbessern das Sehvermögen.

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Der Tränenapparat: Hier entstehen Tränen

Die Tränenproduktion läuft eigentlich rund um die Uhr: Eine gewisse Menge der salzigen Flüssigkeit befindet sich ständig im Auge und sorgt dafür, dass die Bindehaut nicht austrocknet. Erzeugt wird sie von der Tränendrüse, die sich jeweils über dem äußeren Rand der Augenlider befindet. Von dort aus gelangt die Flüssigkeit über sechs bis zwölf Ausführungsgänge an die Augenoberfläche, wo der Lidschlag sie gleichmäßig verteilt. Überschüssige Tränenflüssigkeit läuft über Tränenpünktchen und Tränenröhrchen in den Tränensack und von dort in den Tränennasengang. Deshalb läuft auch häufig die Nase, wenn wir weinen müssen.

Tränen – salzige Alleskönner

Tränen schmecken bekanntermaßen salzig. Die Tränenflüssigkeit ist aber nicht einfach nur Salzwasser, sondern sie enthält auch Antikörper, Proteine und antibakterielle Enzyme. Außerdem besitzt sie die gleiche Elektrolytzusammensetzung wie Blut. Interessant ist auch die Menge des Tränenfilms, die nicht immer bei jedem Menschen gleich ausfällt. Normalerweise produziert der Mensch zwischen 1,5 und 2,0 ml Tränenflüssigkeit am Tag. Dieser Wert ist allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt vom individuellen Alter ebenso ab wie von Anlässen, welche die Produktion von Tränenflüssigkeit anregen: Wenn man beispielsweise an einem Tag oftmals weinen muss, können bis zu 100 ml und mehr Tränenflüssigkeit entstehen. Bei Reizung eines Auges steigt die Produktion des Tränenfilms ebenfalls um ein Vielfaches.

Auch, wenn wir nicht traurig sind, unsere Augen sind also dennoch stets von einem Tränenfilm benetzt: Er schützt vor Austrocknung, transportiert Fremdkörper wie Wimpern, Staubkörner oder kleine Insekten ab, wirkt antibakteriell – und sorgt für eine höhere Sehschärfe, indem er Unebenheiten der Hornhaut ausgleicht. Diese Art von Tränen bezeichnet man als basale Tränen.

Warum muss man dann häufig beim Zwiebelschneiden weinen? Hier schützen sogenannte reflektorische Tränen das Auge vor äußeren Reizen wie scharfen Dämpfen, Rauch oder Wind. Auch beim Gähnen und Lachen tritt diese Tränenform häufig auf. Wann emotionale Tränen fließen, bestimmen einerseits gesellschaftliche Konventionen, aber natürlich auch die Psyche jedes einzelnen. Der weltweit wohl häufigste Grund für emotional bedingtes Weinen ist der Verlust oder der Abschied von einem geliebten Menschen.

Wissenschaftlich erwiesen: Frauen weinen anders

Was emotionales Weinen betrifft, gibt es große Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Diese treten allerdings erst während der Jugendlichkeit zutage, denn bis zum 13. Lebensjahr gibt es hinsichtlich der Häufigkeit von Tränen zwischen Jungen und Mädchen kaum Unterschiede. Im Laufe der Jahre wird die Abweichung dann meist deutlich: Frauen weinen 30 bis 64 Mal pro Jahr, Männer lassen ihren Tränen nur 6 bis 17 Mal jährlich freien Lauf. Bei Frauen kullern Tränen außerdem ganze 6, bei Männern nur 2 bis 4 Minuten lang.

Der große Unterschied zwischen den Geschlechtern kann auch biologisch erklärt werden: Bei einem Streit mit dem Partner können die Tränen der Frau offenbar dazu beitragen, den Partner zu besänftigen. Israelische Forscher konnten 2011 chemische Signale in Frauentränen entschlüsseln. Demnach senkt der Geruch der salzhaltigen Flüssigkeit bei Männern den Testosteronspiegel – was wiederum zu einem geringeren Aggressionspotenzial, aber auch zu einer verminderten Libido führt. Zudem sind bei Frauen die Tränengänge offenbar kürzer als bei Männern. In einer emotional aufwühlenden Situation können sie also schon alleine deshalb den Tränenfluss schwerer unterdrücken.

Emotionales Weinen – ein rein menschliches Phänomen

Auch andere Säugetiere besitzen einen Tränenapparat, der die Augen feucht hält und Fremdkörper ausschwemmt. Weinen aufgrund bestimmter Gefühle findet man allerdings nach bisherigem Kenntnisstand in der Tierwelt nicht. Die sogenannten Krokodilstränen entstehen also nicht etwa durch falsches Mitleid, das die Tiere beim Verschlingen ihrer Beute empfinden würden. Sie werden stattdessen durch das weite Aufreißen des Mauls verursacht: Dadurch erhöht sich der Druck auf die Tränendrüsen und die Tränen kullern automatisch. Menschliche Babys weinen übrigens anfangs sogar, ohne dabei überhaupt Tränen zu vergießen: Erst nach einem Monat sind die Tränenkanäle eines Neugeborenen vollständig ausgebildet.

Quellen

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).
Warum schmecken Tränen salzig?, Wissen.de
Frauen weinen häufiger als Männer, Ärzteblatt.de
Heulsusen oder starke Männer: Warum weinen wir?, Ärztezeitung.de
Warum weinen Tiere nicht?, Forschungsexpedition.de
Tränenapparat, Medizin-Kompakt.de
Chemisches Signal in weiblichen Tränen entdeckt, Spektrum.de

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