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Fernrohrbrille als Sehhilfe

Eine Fernrohrbrille vereint eine gewöhnliche Brille mit einem optisch vergrößernden Fernrohr in Miniaturausführung. Die Spezialsehhilfe ermöglicht es Menschen mit einer im Fernbereich stark ausgeprägten Sehschwäche, dennoch entfernte Gegenstände gut wahrzunehmen. Chirurgen und Uhrmacher kommen ebenfalls nicht ohne dieses optische Hilfsmittel aus. Fernrohrbillen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Erfahren Sie mehr darüber.

Inhaltsverzeichnis

Wozu eine Brille mit integriertem Fernrohr?

Eine mit einem Miniatur-Fernrohr ausgestattete Sehhilfe verbessert die Sicht im Fern- und Nahbereich; das Fernrohr sitzt entweder nur auf einem oder auf beiden Brillengläsern auf. Genauso wie bei einem gewöhnlichen Fernrohr verringern Objektiv und Okular den Sehwinkel, sodass insbesondere weit Entferntes größer wirkt. Ebenso sind ein Bildschirm oder Schrift in mittlerer Distanz dank der vergrößernden Wirkung des optischen Systems deutlicher erkennbar.

Der vergrößernde Effekt ist um einiges stärker als bei herkömmlichen Brillengläsern für Kurzsichtige. Daher kommen Fernrohrbrillen meist dann zum Einsatz, wenn selbst eine Sehhilfe mit extrem hohen Stärken im Minusbereich keine scharfe Sicht mehr ermöglicht. In der Regel vergrößern die kleinen Spektive um das 1,2- bis 6-Fache.

Da eine starke Sehschwäche oft mit weiteren Fehlsichtigkeiten einhergeht, kombiniert die Apparatur das kleine Fernsichtgerät mit Brillengläsern. Letztere korrigieren das Sehvermögen im Nahbereich oder gleichen beispielsweise eine Hornhautverkrümmung aus.

Varianten von Fernrohrbrillen

Fernrohrbrillen sind in zwei grundsätzlichen Ausführungen erhältlich, die auf unterschiedlichen Systemen basieren. Die Bauart, die Anzahl der Fernrohre sowie zusätzliche Ausstattungsdetails beeinflussen den Tragekomfort, das Handling und die maximal erreichbare korrigierte Sehleistung im Nah- und Fernbereich.

Kepler- oder Galilei-Fernrohr?

Für die Herstellung einer Fernrohrbrille machen sich Optiker entweder das galilesche oder das keplersche Fernrohrsystem zunutze. Während das Objektiv eines Galilei-Fernrohrs aus einer konvexen Sammellinse besteht, ist in das Okular eine Zerstreuungslinse eingebaut. Ein Kepler-Gerät weist dagegen ausschließlich Sammellinsen auf. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Beim Kauf einer Brille gilt es, diese je nach den eigenen Bedürfnissen gegeneinander abzuwägen.

Da ein Galileisystem ein größeres Gesichtsfeld ermöglicht, fällt es damit leichter, den Überblick zu behalten. Kepler-Fernrohre geben den stärker begrenzten Gesichtsfeldbereich dafür in einer besseren Bildqualität wieder. Zudem vergrößern sie meist stärker. Da Sammellinsen ein seitenverkehrtes Bild erzeugen, verfügen die Geräte zusätzlich über ein bildaufrichtendes Prisma. Aus diesem Grund sind keplersche Fernrohrbrillen länger und wiegen mehr, was sich auf den Tragekomfort auswirkt.

Bauarten

Fernrohrbrillen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bauart, die wiederum Folgen für Handhabbarkeit und Tragekomfort hat. Meistens sind die Fernrohre fest auf den Gläsern installiert. Gerade wenn die Fernrohrbrille aufgrund einer Sehbehinderung dauerhaft benötigt wird, empfiehlt sich diese Variante. Für kurzzeitige Verwendung praktikabler sind Fernrohre, die sich mittels eines Clips anbringen und abnehmen lassen. Einen Kompromiss stellen Systeme dar, bei denen das Fernrohr nicht der Blickrichtung folgt, sondern leicht versetzt eingebaut ist. Je nach Kopfneigung ermöglicht dies einen gleichzeitigen Blick durch die Brillengläser.

Neben Brillengestellen sind zugunsten einer bequemeren Lastverteilung auch Tragsysteme mit Kopfband denkbar, wobei diese selbst keine Brillengläser aufweisen.

Monokulare oder binokulare Spezialbrille?

Es gibt sowohl monokulare Spezialbrillen als auch binokulare Systeme, bei denen auf beiden Brillengläsern ein Fernrohr aufsitzt. Für gewöhnlich erweist sich eine einseitige Ausführung als praktischer, denn eine Fernrohrbrille mit zweiseitiger Ausstattung wiegt deutlich mehr. Da jedes Fernrohrsystem das Gesichtsfeld einschränkt und bei sehr starken Vergrößerungen sowie beim Fokussieren von Objekten im Nahbereich ohnehin nur Sehen mit einem Auge möglich ist, ist in aller Regel eine einseitige Installation sinnvoller.

Mit oder ohne Lupe?

Manchen Menschen mit starker Sehbeeinträchtigung reicht eine gewöhnliche Brille weder im Fern- noch im Nahbereich aus. In diesem Fall kombinieren Optiker die Fernrohrbrille mit einer Lupe. Damit ist es den Betroffenen beispielsweise möglich, trotz der stark verminderten Sehleistung gleichermaßen weit Entferntes zu erkennen, einen mittelweit entfernten Computerbildschirm zu betrachten sowie ein im Nahbereich befindliches Buch zu lesen. Diese sogenannten Fernrohrlupenbrillen verfügen über eine Lupe, die entweder auf das Objektiv aufgeschraubt oder als klappbarer Vorsatz an der Brille befestigt ist. Für den Wechsel zwischen Nah- und Fernbereich ist das Scharfstellen des Spektivs mittels Drehen erforderlich.

Wer benötigt eine Brille mit Fernrohr?

Eine Fernrohrbrille ist für Menschen sinnvoll, bei denen die üblichen Sehhilfen kaum Wirkung zeigen. Reichen Brille oder Kontaktlinsen mit hohen Stärken nicht aus, stellt die Anfertigung einer Spezialbrille mit Fernrohr eine Lösung dar. Sie ermöglicht es Menschen mit sehr starker Sehschwäche, aber vorhandener Restsehschärfe, sich im Alltag zurechtzufinden.

In der Regel tragen Menschen mit angeborener oder erworbener hochgradiger Sehbehinderung eine Fernrohrbrille. Oftmals liegen eine Netzhautschädigung und eine starke Kurzsichtigkeit vor. Zu den häufigsten Seherkrankungen, die das Tragen einer Fernrohrbrille notwendig machen, gehören außerdem:

  • angeborene oder erworbene Netzhautdegeneration
    oder -erkrankung
  • Optikusatrophien (Gewebeschwund der Nervenfasern)
  • angeborene Erkrankungen (z. B. Nystagmus)
  • Glaukom (Grüner Star)
  • Trübung des dioptrischen Apparats

Für die Anfertigung einer Fernrohrbrille ist eine augenärztliche Verordnung notwendig. Liegt das Rezept vor, sind die Aussichten gut, einen Zuschuss zu erhalten oder gar die kompletten Kosten erstattet zu bekommen.

Unter Umständen profitieren auch Menschen mit intakten Augen von einer Fernrohrbrille. Sie ist dann von Nutzen, wenn es notwendig ist, starke Vergrößerungen zu erzielen, etwa um bei Tätigkeiten im zahnmedizinischen, chirurgischen oder feinmechanischen Bereich Details zu erkennen. Der Vorteil gegenüber HandlupenFernrohr und Fernglas ist, dass die Hände dabei frei bleiben. Beispielsweise verwenden auch einige Liebhaber von Flugmodellen Fernrohrbrillen, um ihre Flieger besser fernsteuern zu können.

Da die Spezialbrille das Sichtfeld stark einschränkt und die Einschätzung von Entfernungen erschwert, sollte sie nur im Sitzen oder Stehen und keinesfalls im Straßenverkehr getragen werden.

Auf einen Blick:

  • Eine Fernrohrbrille kombiniert gewöhnliche Brillengläser mit einem kleinen Fernrohr.
  • Fernrohrbrillen gibt es in verschiedenen Ausführungen.
  • Sie dienen insbesondere Sehbehinderten sowie in bestimmten Berufen als Sehhilfen.

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