Peroxidlösung: Gründliche Desinfektion der Kontaktlinsen

Peroxidlösungen haben den Ruf, komplizierter in der Anwendung zu sein als Kombilösungen. Neuere Systeme haben das Handling deutlich vereinfacht. Was Sie über die Reinigung mit Wasserstoffperoxid wissen sollten.

peroxidlösung

Schutz gegen Krankheitserreger

Peroxidlösungen desinfizieren gründlicher als eine Kombilösung. Sie töten Keime, Bakterien und Pilze besonders zuverlässig ab. Gleichzeitig kommen sie ohne Konservierungsstoffe aus. Dadurch eignen sie sich auch für Personen mit empfindlichen Augen und Kontaktlinsenträger, die auf Konservierungsstoffe allergisch reagieren. Einige Lösungen enthalten zusätzlich einen Benetzungswirkstoff, der die Linsen während des Tragens feuchthält und den Tragekomfort erhöhen soll.

So funktionieren Peroxidlösungen

Wasserstoffperoxid (H2O2) ist eine farblose Flüssigkeit, die für ihre bleichende und desinfizierende Wirkung bekannt ist. Sie wird beispielsweise auch zum Blondieren von Haaren und zur Zahnaufhellung verwendet. Peroxidlösungen für Kontaktlinsen enthalten 3-prozentiges Wasserstoffperoxid. Anders als bei All-in-One-Pflegemitteln darf man eine Kontaktlinse, die in einer solchen Lösung liegt, nicht ohne Weiteres einsetzen. Da Wasserstoffperoxid das Auge stark reizen kann, muss man die Flüssigkeit zuerst neutralisieren. Dabei findet eine chemische Reaktion statt, bei der das Wasserstoffperoxid in Wasser und Sauerstoff zerfällt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Neutralisation mit Platinkatalysator

Wasserstoffperoxid zerfällt bei Kontakt mit Metall in Wasser und Sauerstoff. Diesen Umstand machen sich Peroxidsysteme mit Platinkatalysator zunutze. Der Kontaktlinsenbehälter dieser Systeme enthält ein Platinplättchen. Kommt die Peroxidlösung mit dem Edelmetall in Kontakt, beginnt die Neutralisation.

Dieses System ist in der Handhabung sehr einfach. Da die Neutralisation direkt im Kontaktlinsenbehälter stattfindet, muss man nicht daran denken, eine Tablette hinzuzufügen oder eine weitere Lösung zu benutzen. Allerdings muss man darauf achten, dass man den Behälter in den vorgegebenen Abständen auswechselt. Zudem sollte man möglichst nur Behälter des Herstellers verwenden, da diese genau auf die Peroxidlösung abgestimmt sind.

Bekannte Produkte mit Platinkatalysator sind beispielsweise:

Neutralisation mit Tabletten

Bei diesem System neutralisiert man das Wasserstoffperoxid mithilfe einer Tablette. Nachdem man die Lösung in das Kontaktlinsenbehältnis gefüllt hat, gibt man erst die Tablette hinein, dann die Kontaktlinsen. Die Tablette besitzt oft eine spezielle Ummantelung, die dafür sorgt, dass sie sich langsam auflöst. Erst im Kern der Tablette befinden sich die Wirkstoffe, die die Neutralisation starten. Dies hat den Vorteil, dass die Linsen in der Zeit, in der sich der Mantel auflöst, in der Peroxidlösung liegen und dadurch gründlich desinfiziert werden.

Einige Tabletten enthalten spezielle Zusätze, zum Beispiel einen Wirkstoff, der Ablagerungen entfernt. Andere Präparate färben die Lösung im Behälter ein, wenn man sie hinzugegeben hat. So weiß man immer, ob man an die Tablette gedacht oder sie bislang vergessen hat. Andere verfärben die Lösung erst dann, wenn die Neutralisation abgeschlossen ist.

Die Tabletten sind normalerweise bei der Peroxidlösung mit dabei. Man kann sie aber auch separat nachkaufen, wenn sie schneller aufgebraucht sind als die Kontaktlinsenflüssigkeit. Bekannte Marken sind zum Beispiel:

Neutralisation mit Neutralisationslösung

Dieses Verfahren ist etwas aufwendiger, da man zwei Lösungen benötigt. Es wird deshalb auch Zweistufen-Peroxidsystem genannt. Nach dem Herausnehmen legt man die Kontaktlinsen für einen bestimmten Zeitraum, meist zwischen 10 und 20 Minuten, in die Peroxidlösung. Anschließend wechselt man die Desinfektionsflüssigkeit gegen eine Neutralisationslösung, die Reste des Mittels auf der Linse neutralisiert. Reinigung und Desinfektion bei diesem System dauern meist nicht so lange wie bei den anderen beiden Systemen. Zudem gilt die Methode als sehr gründlich, da die Linse für einen gewissen Zeitraum in reiner Peroxidlösung verbleibt. Nachteilig ist allerdings, dass man stets zwei Lösungen benötigt. Gerade auf Reisen ist dies unpraktisch.

Peroxidsysteme mit Neutralisationslösung findet man nur noch selten im Handel. Folgende Produkte sind erhältlich:

  • SeptoSol/NeutraSol von Optosol
  • Ons Merk von Bach Optic (auch mit Neutralisationstabletten erhältlich)

Kontaktlinsen mit Peroxidlösung desinfizieren

Da jedes System anders funktioniert, sollte man vor der Benutzung die Bedienungsanleitung durchlesen. Besonders wichtig ist dabei die Dauer der Desinfektion. Mit Katalysator oder Tablette beträgt diese meist mehrere Stunden. Man sollte die Kontaktlinsen auf keinen Fall einsetzen, bevor das Wasserstoffperoxid komplett neutralisiert ist. Ansonsten drohen schwere Augenreizungen wie Brennen, Tränen und Rötungen. Bekommt man aus Versehen nicht-neutralisierte Peroxidlösung ins Auge, sollte man die Linse sofort entfernen und das Auge mit Kochsalzlösung ausspülen. Bei anhaltenden Schmerzen sollte man einen Augenarzt aufsuchen.

Peroxidlösung an und für sich desinfiziert lediglich, entfernt aber keine Ablagerungen von der Linse. Einige Lösungen enthalten zusätzliche Wirkstoffe, die auch reinigen. Bei anderen muss man die Linsen nach dem Herausnehmen per Hand reinigen oder zusätzlich Proteinentfernungstabletten verwenden. Informationen dazu findet man auf dem Beipackzettel.

Alles Wissenswerte auf einen Blick

  • Peroxidlösungen desinfizieren Kontaktlinsen sehr gründlich.
  • Sie enthalten keine Konservierungsstoffe und sind daher auch für empfindliche Augen geeignet.
  • Bevor man die Linsen wieder einsetzt, muss die Lösung vollständig neutralisiert werden.

Quellen:

Bayerischer Rundfunk: Falsche Pflege kann schlimm ausgehen
Magda Rau: Wasserstoffperoxid und Kontaktlinsenpflege – verträglich und wirksam (erschienen in DOZ – Optometrie & Fashion, Ausgabe 08/2007)