Skotom (Gesichtsfeldausfall)

Ein Skotom ist ein Ausfall des Gesichtsfeldes, wofür es unterschiedliche Auslöser gibt. Dementsprechend gibt es sowohl vorübergehende als auch irreparable Formen des Gesichtsfeldausfalls. Erfahren Sie hier mehr über die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten.

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Was ist ein Skotom?

Die Bezeichnung Skotom stammt vom griechischen Wort „skotos“ für „Dunkelheit“. Von einem Skotom oder Gesichtsfeldausfall ist die Rede, wenn die Sehkraft in einem bestimmten Bereich des Gesichtsfeldes deutlich nachlässt oder ganz ausfällt. Das kann sowohl den mittleren Sichtbereich (zentraler Gesichtsfeldausfall) als auch die Randbereiche des Sehens (peripherer Gesichtsfeldausfall) betreffen.

Die Sehkraft ist im Bereich des Skotoms spürbar vermindert. Die Verminderung kann sich sogar bis zur Erblindung des betroffenen Sehbereiches verstärken. Die Ursachen dafür können Erkrankungen in jedem Abschnitt der Sehbahn sein, ein Skotom kann jedoch auch als Begleiterscheinung anderer Krankheiten auftreten.

Der Gesichtsfeldausfall kann mit einem Test nachgewiesen werden. Zur Diagnose führt der Augenarzt eine genaue Untersuchung des Gesichtsfeldes durch – die sogenannte Perimetrie (Gesichtsfeldmessung). Mittels verschiedener Methoden wird das Gesichtsfeld beider Augen jeweils einzeln überprüft und ausgewertet. Alle Methoden haben im Wesentlichen gemeinsam, dass ein von außen kommendes Objekt in das Gesichtsfeld des Patienten eintritt. Der Patient teilt mit, ab wann er das Objekt wahrnimmt. Anhand dieser Angabe entsteht ein klares Bild des Gesichtsfeldes. Eine weitere Möglichkeit zur Diagnose zentraler Gesichtsfeldausfälle ist das Amsler-Gitter. Es kommt beim Verdacht auf Krankheiten wie einer Makuladegeneration oder dem Grünen Star (Glaukom) zum Einsatz.

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Gesichtsfeldausfall: Welche Symptome treten auf?

Bei einem Gesichtsfeldausfall treten nur Symptome auf, die das Sehen betreffen. Er äußert sich nicht durch Schmerzen oder andere spürbare Beschwerden. Ist nur ein Auge betroffen, kann das andere diese Einschränkung bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, weil sich die Gesichtsfelder der menschlichen Augen stark überschneiden. Es ist daher möglich, dass Betroffene ein Skotom erst sehr spät bemerken oder es erst bei einer augenärztlichen Untersuchung festgestellt wird.

Je nachdem, welche Symptome auftreten beziehungsweise welcher Bereich des Gesichtsfeldes betroffen ist, unterscheidet man die folgenden Formen:

  • Relatives Skotom: Seheindruck ist undeutlich und schemenhaft
  • Absolutes Skotom: vollständiger Verlust der Sehkraft im Bereich des Skotoms
  • Konzentrisches Skotom: betrifft zunächst das periphere Gesichtsfeld und breitet sich nach innen aus
  • Verzerrung (Metamorphopsie): Objekte werden im betroffenen Bereich verzerrt wahrgenommen
  • Hemianopsie:: halbseitiger Gesichtsfeldausfall
  • Homonymer Gesichtsfeldausfall: halbseitiger Gesichtsfeldausfall auf der gleichen Seite auf beiden Augen
  • Heteronymer Gesichtsfeldausfall: halbseitiger Gesichtsfeldausfall, der bei beiden Augen unterschiedliche Seiten – also die nasale oder die temporale – betrifft
  • Quadrantenausfall: das Skotom betrifft ein Viertel des Gesichtsfeldes

Ein Skotom kann auf unterschiedliche Art und Weise in Erscheinung treten. Dazu gehören sowohl Lichtblitze und Veränderungen in der Farbwahrnehmung als auch dunkle Flecken oder sogenannte Mouches volantes. Dieser Begriff, der wörtlich übersetzt „fliegende Mücken“ heißt, wird für kleine punkt- oder fadenähnliche Strukturen verwendet, die sich im Gesichtsfeld befinden und mit der Blickrichtung mitbewegen. Die Ursache dafür sind Veränderungen in der Flüssigkeit des Glaskörpers, die in den meisten Fällen jedoch harmlos sind.

Welche Ursachen hat ein Skotom?

So unterschiedlich wie die Symptome sind bei einem Gesichtsfeldausfall auch die Ursachen. Er kann von einigen Augenkrankheiten verursacht werden, aber auch als Begleiterscheinung anderer Beschwerden oder Verletzungen auftreten.

Ein Skotom ist ein Symptom einiger ernstzunehmender Augenkrankheiten, etwa des Grauen Stars (Katarakt), einer Makuladegeneration sowie des Grünen Stars (Glaukom). Bei der Makuladegeneration und dem Glaukom ist der Gesichtsfeldausfall ein Anzeichen für die irreparable Schädigung von Nervenfasern. Je früher er bemerkt wird, umso mehr Nervenzellen können durch eine Behandlung der zugrundeliegenden Krankheit gerettet werden. Regelmäßige Screening-Untersuchungen und ein schnelles Handeln bei Verdacht auf eine dieser Erkrankungen sind deshalb wichtig.

Doch auch der Sehnerv selbst kann von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein, die ein Skotom verursachen. Dazu gehören zum Beispiel Sehnervenentzündungen, die durch Viren oder Bakterien hervorgerufen werden, aber auch als Begleiterscheinung einer Multiplen Sklerose (MS) auftreten können. Eine weitere Erkrankung des Sehnervs ist der Sehnervenstau, auch Stauungspapille genannt. Hier wird das Skotom von Wassereinlagerungen im Gewebe der Papille verursacht. Entstehen können diese Einlagerungen im Zuge sogenannter raumfordernder Prozesse im Gehirn, zu denen Tumore, Blutungen sowie Hirnhautentzündungen zählen. Doch die Ursache muss nicht immer eine akute schwere Krankheit sein, auch bei länger anhaltendem Bluthochdruck können sich Ödeme bilden, welche die Stauungspapille hervorrufen.

Ein Skotom kann jedoch auch infolge einer Kopfverletzung, eines Aneurysmas im Gehirn, eines Schlaganfalls oder einer Blutung im Auge entstehen. Ein Sonderfall stellt die Migräne dar. In schweren Fällen einer Migräne mit Aura – also mit unterschiedlich stark ausgeprägten neurologischen Symptomen – tritt ein sogenanntes Flimmerskotom auf. Es unterscheidet sich deutlich vom Gesichtsfeldausfall, der auch als „negatives Skotom“ bezeichnet wird und bei dem in bestimmten Bereichen des Gesichtsfelds einfach nichts mehr wahrgenommen wird. Im Gegensatz dazu berichten Betroffene mit einem Flimmerskotom von flackernden, drehenden Lichtformen im peripheren Gesichtsfeld, die sich langsam ausbreiten. Für diese Lichtformen gibt es spezielle Namen:

  • Positives Skotom: bezeichnet die Wahrnehmung von Formen, Linien und Umrissen im Gesichtsfeld, wodurch der optische Eindruck der Umgebung verzerrt wird
  • Fortifikationen: zackenförmige Linien stören und verzerren die optische Wahrnehmung

Sobald das zentrale Gesichtsfeld betroffen ist, ist das Fixieren von Objekten nur noch sehr schwer oder überhaupt nicht mehr möglich. Die Erscheinung ist nicht dauerhaft und meist nach etwa 30 Minuten wieder verschwunden. Sie wird von Migränesymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen begleitet. In seltenen Fällen tritt das Flimmerskotom auch ohne Migräne auf.

Gesichtsfeldausfall – Welche Therapie ist möglich?

Generell gilt, dass Sie sofort einen Arzt aufsuchen sollten, sobald Sie Ausfälle im Gesichtsfeld bemerken. Davon ausgenommen sind lediglich Migränepatienten, welche die Erscheinung aufgrund ihrer Krankengeschichte einordnen können. In allen anderen Fällen ist eine fachärztliche Untersuchung dringend notwendig, um Folgeschäden zuvorzukommen. Das gilt besonders, wenn das Skotom folgende Kriterien erfüllt:

  • Gesichtsfeldausfall tritt akut oder zum ersten Mal auf
  • Skotom vergrößert sich deutlich
  • Wahrnehmung beschränkt sich auf Umrisse und starke Kontraste, Eindruck eines Schleiers vor dem Gesichtsfeld
  • Eindruck von Lichtblitzen, Flackern oder klar umrissenen schwarzen Formen
  • Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, aber auch Orientierungslosigkeit oder Sprachstörungen

Der Augenarzt klärt in einem ersten Gespräch, ob das Skotom eventuell als Begleiterscheinung einer anderen Krankheit auftritt oder von Bluthochdruck oder Diabetes verursacht wird. Anschließend werden Ursachen und Fortschritt des Skotoms mithilfe verschiedener Untersuchungen ermittelt. Bei der Spaltlampenuntersuchung werden alle Teile des Auges genauestens auf krankhafte Veränderungen geprüft. Ist keine eindeutige Diagnose möglich, kommen weitere Methoden wie eine Augenspiegelung oder eine optische Kohärenztomografie (OCT) zum Einsatz. Mit dem bereits erläuterten Verfahren der Perimetrie lassen sich Ausmaß und Umriss des Gesichtsfelds exakt feststellen.

Wie die vorgestellten Varianten nahelegen, richtet sich die Therapie nach der Ursache des Gesichtsfeldausfalls. Bei Augenerkrankungen wie Makuladegeneration und Glaukom ist das Skotom irreversibel. Hier hängt es von der frühzeitigen Diagnose und Behandlung der Krankheit ab, ob man den Prozess wirksam verlangsamen kann oder die Ausbreitung bis hin zur völligen Erblindung schnell erfolgt.

Tritt das Skotom infolge von Kopfverletzungen, Blutungen oder Schlaganfällen auf, kann es durch sofortige Behandlung der Ursache geheilt werden. Die Behandlung entspricht in den meisten Fällen einer neurochirurgischen Operation.

Das Skotom auf einen Blick

  • Als Skotom wird der teilweise oder vollständige Ausfall des Gesichtsfeldes bezeichnet. Es wird vom Augenarzt mithilfe einer Perimetrie festgestellt.
  • Betrifft das Skotom nur ein Auge, kann das andere Auge die Sehleistung oft ausgleichen.
  • Der Gesichtsfeldausfall kann dauerhaft oder nur vorübergehend sein.
  • Das Skotom kann entweder von einer Augenkrankheit verursacht werden oder als Begleiterscheinung von Kopfverletzungen, Migräne oder anderen Erkrankungen auftreten.
  • Wenn möglich, erfolgt die Therapie mit Sehhilfen, Medikamenten oder in Form einer Operation – je nach den konkret vorliegenden Ursachen.

Quellen

Gesichtsfeld-Ausfälle, Verein zur Förderung der Neurologie Recklinghausen e.V.
Glaukom, Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Dresden

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