Farbenblindheit (Achromasie)

Warum sind manche Leute farbenblind und andere nicht? Für viele ist es unvorstellbar, Farben nicht erkennen oder unterscheiden zu können, doch für andere ist es Normalität: Hier erfahren Sie alles über die Ursachen für Farbenblindheit oder Farbenfehlsichtigkeit und darüber, wie die Betroffenen Farben wahrnehmen.

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Grundlegende Informationen zur Farbenblindheit und Farbenfehlsichtigkeit

Die Farbwahrnehmung erfolgt über die sogenannten Zapfen – lichtempfindliche Zellen, die in der Netzhaut (Retina) des Auges liegen. Diese Sinneszellen reagieren unterschiedlich auf die verschiedenen Lichtwellen und ermöglichen so das Farbsehen. Bei einer Funktionsstörung der Zapfen sind die betroffenen Menschen farbenblind, denn in diesem Fall werden die Farben von der Netzhaut nicht korrekt erkannt. Unterschieden wird zwischen der vererbten und der erworbenen Farbenblindheit und Farbenfehlsichtigkeiten wie der Rot-Grün-Schwäche oder der Blauzapfen-Achromatopsie.

Unter Farbenblindheit in ihren unterschiedlichen Ausprägungen leiden rund 7 Prozent der Männer und lediglich 1 Prozent der Frauen. Interessanterweise tritt die Farbenblindheit nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich häufig auf: US-amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Jungen vom hellhäutigen, europäischen Typ häufiger als andere Gruppen betroffen sind.

Folgende Faktoren sind für die korrekte Diagnose einer Farbenblindheit oder Farbenfehlsichtigkeit von Belang: Spezielle Sehtests mit unterschiedlichen Farbtafeln geben Aufschluss darüber, wie intensiv oder ausgeprägt die Farbenblindheit bei einem Menschen ist. Zusätzlich lässt sich der Augenarzt die Symptome des Patienten ausführlich schildern. In seltenen Fällen kommt beim Verdacht auf eine erbliche Farbenblindheit auch ein Elektroretinogramm zum Einsatz: Mithilfe von Blitzreizen wird damit die Funktion der Netzhaut überprüft.

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Welche Beschwerden haben farbenblinde Menschen?

Nicht bei allen Formen der Farbenblindheit ist die Symptomatik gleich: Bei der vererbbaren Farbenblindheit, auch atypische Achromatopsie oder Achromasie genannt, nehmen die Betroffenen nur Grau- und Blaustufen wahr. Die erworbene Farbenblindheit, auch cerebrale Achromatopsie genannt, zeichnet sich dagegen durch eine absolut fehlende Farbwahrnehmung aus – nicht einmal Blautöne werden erkannt. Bei der Blauzapfen-Monochromasie nehmen Betroffene ausschließlich Blaustufen wahr. Außerdem kommen folgende Beschwerden hinzu:

  • Zittern und Pendelbewegungen des Augen (Nystagmus)
  • Hohe Lichtempfindlichkeit (Photophobie)
  • Eine abgeschwächte Sehschärfe bei Tageslicht

Eine Farbenfehlsichtigkeit wird bei jüngeren Kindern häufig durch die Eltern entdeckt – manchmal sind die Symptome jedoch so schwach, dass sie gar nicht registriert werden. Die verbreitetste Form der Farbenfehlsichtigkeit ist die genetisch bedingte Rot-Grün-Schwäche. Aus diesem Grund werden Kinder im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung auf selbige getestet – denn liegt eine solche Sehschwäche vor, kann dies dazu führen, dass das Kind in der Schule schlechter bei Aufgaben abschneidet, bei denen farbliche Abstufungen eine Rolle spielen. Eine Farbenfehlsichtigkeit ist meist mit folgenden Symptomen verbunden:

  • Probleme bei Farbunterscheidungen
  • Die Unfähigkeit, Nuancen derselben Farbe zu erkennen beziehungsweise zu unterscheiden
  • Schnelle, hektische Augenbewegungen

Sollten Ihnen diese Symptome auffallen oder haben Sie einen Schlaganfall oder eine Kopfverletzung erlitten, wodurch Ihre Sehkraft beeinträchtigt wird? Dann suchen Sie umgehend einen Augenarzt auf und lassen Sie abklären, ob Sie unter Farbenblindheit oder einer Farbenfehlsichtigkeit leiden.

Warum manche Menschen farbenblind sind

Eine vererbte Farbenblindheit oder Achromasie wird nur dann weitergegeben, wenn sowohl der Vater als auch die Mutter eine Veranlagung zur Farbenblindheit haben – dies wird als autosomal rezessive Vererbung bezeichnet. Die Blauzapfen-Monochromasie ist eine Sonderform, denn sie wird X-chromosomal weitergegeben und betrifft somit fast ausschließlich Männer. In beiden Fällen liegt also eine genetisch bedingte Dysfunktion der Augenzapfen vor.

Bei der erworbenen oder cerebralen Achromatopsie liegen andere Ursachen vor, denn in solchen Fällen besteht die Farbenblindheit nicht seit der Geburt. Mögliche Ursachen für eine cerebrale Achromatopsie sind zum Beispiel ein Schlaganfall oder starke Kopfverletzungen, die dazu führen, dass das Gehirn die Fähigkeit verliert, Farben zu erkennen – der Mensch ist demnach farbenblind.

Ist eine Farbenblindheit heilbar?

Eine genetisch bedingte Farbenblindheit oder Farbenfehlsichtigkeit ist nach heutigem Stand nicht heilbar, da der genetische Code des Menschen nicht umgeschrieben werden kann. Auch die cerebrale Achromatopsie kann nicht geheilt werden. Bei allen Arten einer Achromasie können lediglich die Symptome gelindert werden – dies gelingt beispielsweise durch getönte Brillengläser, die vor allem bei einer Lichtüberempfindlichkeit Abhilfe schaffen. Konsultieren Sie dazu Ihren Augenarzt und sprechen Sie gemeinsam über mögliche Linderungen der Symptome.

In seltenen Fällen kann es bei einer erworbenen Farbenblindheit zu einer Spontanheilung kommen – dies allerdings nur in den ersten Monaten nach dem auslösenden Vorfall.

Die wichtigsten Informationen zur Farbenblindheit auf einen Blick

  • Bei einer Farbenblindheit oder Farbenfehlsichtigkeit handelt es sich um eine Funktionsstörung der Zapfen im Auge: Unterschieden wird zwischen der genetischen und der erworbenen Farbenblindheit.
  • Betroffene leiden oft auch unter Lichtempfindlichkeit und zitternden, pendelnden Augenbewegungen.
  • Meist beruht die Farbenblindheit auf einer genetischen Disposition. Aber auch ein Schlaganfall oder schwere Kopfverletzungen kommen als Ursache infrage.
  • Alle Formen der angeborenen Farbenblindheit und Farbenfehlsichtigkeit sind unheilbar – lediglich Symptome wie Lichtempfindlichkeit können gelindert werden. Bei der erworbenen Farbenblindheit kann es in seltenen Fällen binnen einiger Monate nach dem auslösenden Ereignis zu einer Spontanheilung kommen.

Quellen

Farbenblindheit, bausch-lomb.de