Blaublindheit (Tritanopie)

Bei der Blaublindheit, der sogenannten Tritanopie, handelt es sich um eine Form der Farbenfehlsichtigkeit, bei der die betroffene Person Farben im blau-violetten Bereich nicht wahrnehmen kann. Tritt diese Fehlsichtigkeit in abgeschwächter Form als Blausehschwäche auf, spricht man von Tritanomalie. Lesen Sie hier alles über Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

tritanopie

Was bedeutet Tritanopie?

Neben der Rotblindheit (Protanopie) und der Grünblindheit (Deuteranopie) ist die Blaublindheit (Tritanopie) die dritte mögliche Form einer Farbenfehlsichtigkeit. Diese Reihenfolge lässt sich auch aus dem Begriff selbst ableiten. „Trit“ bedeutet im Griechischen „der Dritte“ und bezieht sich auf den dritten Zapfentyp in der Netzhaut (Retina), den S-Zapfen, die für das Blau-Sehen zuständig sind. Dementsprechend steht das „Prot“ in Protanopie für den ersten Zapfentyp und „Deuter“ für den zweiten. Diese Zuordnung nahm der Physiologe Hermann von Helmholtz vor, der die Trichromatische Theorie zur Farbwahrnehmung im menschlichen Auge entwickelte. Dementsprechend werden drei Zapfenarten unterschieden:

  • Der erste (,,Prot“), rotempfindliche Zapfentyp, der L-Zapfen
  • Der zweite (,,Deuter“), grünempfindliche Zapfentyp, der M-Zapfen
  • Der dritte (,,Trit“), blauempfindliche Zapfentyp, der S-Zapfen

Aus den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau werden alle anderen Farbtöne zusammengesetzt. Liegt bei einem der Zapfentypen eine Fehlfunktion des Photopigments vor, ist die entsprechende Farbwahrnehmung eingeschränkt und man spricht von einer Farbensehschwäche (Anomale Trichromasie), im Fall einer Blausehschwäche von Tritanomalie. Fehlt der S-Zapfen komplett, liegt eine Blaublindheit vor – also Tritanopie.

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Wie äußern sich Tritanomalie und Tritanopie?

Bei einer Tritanomalie kann die betreffende Person die Farben im blau-violetten Spektrum nicht so gut wahrnehmen wie eine normalsichtige Person. Statt eines kräftigen Blaus sieht sie eher eine Mischung aus Türkis und Grau. Und auch die Farbe Gelb können Menschen mit einer Blauschwäche schwer erkennen, sodass oft auch die Rede von einer Blau-Gelb-Schwäche ist.

Bei einer Tritanopie liegt eine partielle Farbenblindheit (Dichromasie) vor. Eine Person mit Blaublindheit hat überhaupt kein Empfinden für die Farbe Blau. Anders als bei einer totalen Farbenblindheit (Achromasie) kann sie aber dennoch Farbtöne wahrnehmen, die auf Rot und/oder Grün basieren. Da die S-Zapfen insgesamt nur einen geringen Anteil der Sehzapfen ausmachen, wird die Sehstärke bei einer Blaublindheit nicht beeinträchtigt.

Welche Ursachen hat Tritanopie?

Tritanomalie und Tritanopie sind sehr seltene, genetisch bedingte Farbsinnstörungen. Der Sehsinn des Menschen, der es ihm ermöglicht, so viele unterschiedliche Farben wahrzunehmen, ist sehr komplex und erbringt eine unglaubliche Leistung. Jeder der drei Zapfentypen, die für das Farbempfinden zuständig sind, nimmt je nach Wellenlänge des Lichts ein bestimmtes Farbspektrum wahr und übermittelt die wahrgenommenen Lichtreize über den Sehnerv an das Gehirn, wo sie eingeordnet und interpretiert werden. Das Gehirn ist in der Lage, etwa 200 Farbtöne, 26 Sättigungstöne und an die 500 Helligkeitsstufen zu unterscheiden, was dazu führt, das wir die Welt so bunt wahrnehmen können. Angesichts dieser komplexen Leistung, ist es nicht verwunderlich, dass sich manchmal kleine Fehler einschleichen. Menschen mit Tritanomalie werden einfach mit einem defekten S-Zapfen geboren, meist in beiden Augen. Und bei Tritanopie fehlen die S-Zapfen von Geburt an komplett.

Anders als bei der Rot- und Grünblindheit, bei der die betroffenen Zapfen auf einem geschlechtsspezifischen Chromosom liegen, ist der Anteil von Tritanomalie beziehungsweise Tritanopie bei Frauen und Männern gleich verteilt. Denn das für die blauempfindlichen S-Zapfen verantwortliche Gen liegt auf dem geschlechtsunabhängigen 7. Chromosom. Der Anteil der Betroffenen liegt bei 0,005 Prozent aller Männer und Frauen, sodass dieser Gendefekt wirklich ausgesprochen selten ist.

Wie lassen sich Tritanomalie und Tritanopie behandeln?

Für angeborene Farbsinnstörungen wie die Blauschwäche oder -blindheit gibt es aktuell noch keine Therapiemöglichkeiten, da sich Gene nicht ohne weiteres reparieren lassen. Betroffene müssen also damit leben, dass ihre Farbwahrnehmung eingeschränkt ist und sie Farben verwechseln. Da die Netzhaut jedoch hauptsächlich aus grünen und roten Zapfen besteht, stellt eine Tritanopie im Alltag kein großes Problem dar und wird von vielen Menschen erst bei einer Farbsinnprüfung bemerkt. Ein kleiner Trost ist, dass eine angeborene Tritanomolie sich im Laufe des Lebens nicht verschlechtert und sie keinen Einfluss auf die Sehkraft hat.

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Das Wichtigste im Überblick

  • Tritanomie ist eine Farbsinnstörung, bei der die Farbe Blau nicht wahrgenommen werden kann.
  • Tritanomie und Tritanomalie (Blauschwäche) sind genetisch bedingt und auf den fehlenden beziehungsweise defekten blauempfindlichen S-Zapfen zurückzuführen.
  • Es handelt sich dabei um eine sehr seltene, nicht heilbare Störung, die jedoch keine großen Beeinträchtigungen im Alltag mit sich bringt.

Quellen

Handbuch für Augenoptik. Herausgegeben von Carl Zeiss, 4. Auflage. 2000.
Farbsinnstörungen: Ursachen auf Lifeline.de
Farbenblindheit auf Netdoktor.de