Der Augeninnendruck sorgt für Balance im Sehapparat

Auch wenn das Wort negativ klingen mag: Der Augeninnendruck an sich ist nichts Krankhaftes, er ist sogar dringend notwendig, um Funktion und Form des Auges zu wahren. Erst, wenn der Innendruck des Auges zu niedrig oder hoch ist, gilt er als pathologisch. Erfahren Sie hier alles Wissenswerte zum Thema intraokularer Druck und darüber, welche Erkrankungen damit in Zusammenhang stehen..

augeninnendruck

Der Augeninnendruck ist eine physikalisch messbare Kraft, die auf die Augeninnenwand wirkt. Diese sorgt dafür, dass der Augapfel seine spezifische Form beibehält, die Hornhautoberfläche gewölbt ist und der Abstand zwischen Linse, Netzhaut (Retina) und Hornhaut (Cornea) stets gleich bleibt. Zudem stellt der sogenannte intraokulare Druck sicher, dass die Photorezeptoren gleichmäßig ausgerichtet sind. Er ist also insgesamt ein wichtiger Faktor, um eine optimale Sehleistung sicherzustellen. Der Augeninnendruck hängt maßgeblich vom Kammerwasser ab, das im Ziliarkörper gebildet wird, an Linse und Regenbogenhaut (Iris) vorbeifließt und schließlich über den Schlemm-Kanal in den Blutkreislauf einmündet. Der Innendruck des Auges schwankt je nach Tageszeit: Am höchsten ist er gegen Mitternacht und in den frühen Morgenstunden.

Verschiedene Messmethoden: So lässt sich der Augeninnendruck ermitteln

Gemessen wird der intraokulare Druck mittels einer sogenannten Tonometrie. Es gibt mehrere Methoden, am exaktesten ist jedoch die Messung mit einem Applanationstonometer. Nach einer örtlichen Betäubung des Auges übt der Augenarzt mit einem kleinen Messkörper Druck auf die Hornhaut aus. Die Kraft, die aufgewendet werden muss, um die Hornhaut in einem definierten Bereich einzudrücken, wird gemessen – sie entspricht dem aktuellen Augeninnendruck. Ein anderes Messverfahren ist die Non-Contact-Tonometrie: Bei diesem wird die Hornhaut mithilfe eines standardisierten Luftstoßes verdichtet, die dabei entstehende Verformung wird gemessen. Der Normwert liegt bei etwa 15,5 mmHg, die Untergrenze bei 10 mmHg und die Obergrenze bei 21mmHg. Messergebnisse, die darüber oder darunter liegen, gelten als krankhaft.

Risikogruppen für erhöhten Innendruck des Auges

Es gibt Alltagssituationen, in denen sich der Augeninnendruck kurzzeitig erhöhen kann. So wurde beispielsweise bei Gewichthebern während der Übungsausführung ein Anstieg um durchschnittlich 4,3 mmHg festgestellt. Auch bestimmte Yoga-Übungen belasten das Auge: Der Innendruck kletterte bei einigen Probanden während des sogenannten „herabschauenden Hundes“ auf 29 mmHg. Diese kurzzeitigen Spitzenwerte können die Gefahr steigern, auch langfristig einen erhöhten Innendruck des Auges zu entwickeln. Weitere Risikofaktoren sind beispielsweise Bluthochdruck, Kurzsichtigkeit, Diabetes, Schlaf-Apnoe oder Herzrhythmusstörungen.

Bei erhöhtem Augeninnendruck droht Grüner Star

Ist der Augeninnendruck dauerhaft zu hoch, hängt das mit dem Kammerwasser zusammen. Fließt weniger von ihm ab, als produziert wird, steigt der Druck im Auge. Das Tückische daran: Man verspürt den Anstieg in der Regel nicht direkt, er kann jedoch schwerwiegende Folgen haben. Viele Patienten mit sogenannter okulärer Hypertension erkranken früher oder später an einem Grünen Star (Glaukom), einer irreversiblen Schädigung des Sehnervs, die schlimmstenfalls zur Erblindung führt. Behandelt wird ein permanent erhöhter Augeninnendruck mit speziellen Augentropfen oder durch eine Operation.

Netzhautablösung als mögliche Folge von zu niedrigem intraokularem Druck

Stellt der Ziliarkörper zu wenig Kammerwasser her, liegt der Innendruck des Auges häufig unter dem Normwert. Auch in diesem Fall ist das Augenlicht in Gefahr: Weil der Augeninnendruck die verschiedenen Bestandteile des Auges in Position hält, kann es bei einem zu geringen Wert zu einer Netzhautablösung kommen. Sie gilt als augenmedizinischer Notfall und muss schnellstmöglich behandelt werden – andernfalls droht Erblindung. Symptome für eine Netzhautablösung sind das plötzliche Auftreten von Blitzen im Gesichtsfeld, die Patienten vor allem bei ruckartigen Augenbewegungen sehen. Auch das Wahrnehmen von kleinen schwarzen Punkten, der sogenannte Rußregen, ist charakteristisch für diese von zu geringem Augeninnendruck verursachten Erkrankung.

Übersicht Augeninnendruck:

  • Die Zirkulation des Kammerwassers reguliert und stabilisiert die Form des Auges.
  • Der Augeninnendruck wird mittels eines speziellen Verfahrens gemessen – der Tonometrie.
  • Als normal gelten Werte zwischen 10 und 21 mmHg, alles darunter oder darüber ist Anzeichen für eine Krankheit.
  • Ein zu hoher Augeninnendruck kann zu Grünem Star, einer Schädigung des Sehnervs, führen.
  • Zu niedrige Werte können eine gefährliche Netzhautablösung zur Folge haben.

Quellen

Andreas Berke: Biologie des Auges. Mainz: WVAO, 1999 (2. Auflage).
Vier Yoga-Übungen erhöhen Augeninnendruck, Ärzteblatt.de
Bluthochdruck setzt Augen unter Druck, Ärztezeitung.de
Gewichtheber haben erhöhtes Glaukom-Risiko, Ärztezeitung.de
Glaukom (‚Grüner Star‘), Universitätsklinikum Münster – Klinik für Augenheilkunde
Das Glaukom (Grüner Star): Risikofaktoren, Universitätsklinikum Dresden – Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde