Welche Auswirkungen hat Diabetes auf die Augen?

Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit, die sich auf den ganzen Körper auswirkt. Auch Netzhaut und Augenlinse werden häufig in Mitleidenschaft gezogen. Erfahren Sie hier, welche Augenkrankheiten und Sehstörungen durch Diabetes verursacht werden können und wie Sie das Risiko so gering wie möglich halten.

Diabetes mellitus – ein kurzer Überblick

Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Im Verlauf der Verdauung werden Kohlenhydrate aus der Nahrung zu Glukose (Traubenzucker) abgebaut und über die Blutbahn im Körper verteilt. Normalerweise sorgt dann der körpereigene Botenstoff Insulin dafür, dass der Traubenzucker in die entsprechenden Zellen gelangt, wo er der Energiegewinnung dient. Bei Diabetikern ist jedoch die Insulinproduktion gestört, sodass kein oder nicht ausreichend Insulin vorhanden ist. Die Glukose verbleibt im Blut und verursacht eine deutliche Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Auf Dauer lagert sie sich in den Gefäßwänden ein, was die Ursache für zahlreiche mögliche Folgekrankheiten ist.

Aus diesem Grund sind früher oder später auch die Augen von Diabetes betroffen, denn die zarten kapillaren Blutgefäße werden besonders schnell in Mitleidenschaft gezogen. Krankhafte Veränderungen der Netzhaut (Retina) oder der Augenlinse sind die Folge. Besonders häufig verursacht Diabetes Sehstörungen aufgrund der folgenden Krankheiten:

Retinopathie, Makula-Ödem und Linsentrübung können auch Menschen ohne Diabetes treffen, allerdings treten sie dann wesentlich seltener auf. Zudem gibt es spezifische Krankheitsverläufe und Erscheinungsbilder der Erkrankungen, wenn sie infolge von Diabetes auftreten.

Diabetische Retinopathie

Diabetische Retinopathie ist eine Netzhauterkrankung und die mit Abstand häufigste krankhafte Auswirkung, die Diabetes auf die Augen hat. Die Netzhaut ist besonders von Diabetes betroffen, da sie von unzähligen kleinen Blutgefäßen durchzogen wird, die im Verlauf der Krankheit zunehmend geschädigt werden. Je länger sie andauert, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten an diabetischer Retinopathie erkranken. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Kontrolle der Netzhaut bei einem Augenarzt unerlässlich, denn im Anfangsstadium bemerken die Patienten selbst meist keinerlei Symptome.

Durch die für Diabetes typische Schädigung der Gefäße wird die Netzhaut nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt – die sich darauf befindlichen Fotorezeptoren sterben ab. Entwicklung und Fortschritt der Krankheit hängen wesentlich von der Blutzuckereinstellung des Patienten ab. Je besser die Grunderkrankung Diabetes behandelt wird, desto später kommt es zur Retinopathie und umso erfolgreicher ist auch deren Behandlung. Da die abgestorbenen Sinneszellen nicht neu gebildet werden, kann eine erfolgreiche Behandlung den Fortschritt der Krankheit nur verlangsamen oder im günstigsten Fall aufhalten. Unbehandelt kann sie jedoch bis zur vollständigen Erblindung führen.

Der Augenarzt unterscheidet zwischen verschiedenen Stadien der Retinopathie:

  • Nicht-proliferativ: Je nach Fortschritt zeigen die Gefäße an den geschädigten Kapillarwänden Mikroaneurysmen, punktuelle Blutungen und harte, fetthaltige Ablagerungen bis hin zu deutlich sichtbaren Nervenfaserinfarkten (Cotton-wool-Herde), Kaliberschwankungen und nicht-durchbluteten Arealen.
  • Proliferativ: Zu Beginn zeigt die Retina erste Anzeichen von neu gebildeten Blutgefäßen, später deutliche Verdickungen. Die neuen Gefäße sind nur schwach entwickelt, sodass es leicht zu Blutungen und Flüssigkeitsverlusten kommen kann, die das Sehvermögen beeinträchtigen. Auch eine Netzhautablösung, die durch vernarbtes Gewebe verursacht wird, kann im Zuge einer proliferativen Retinopathie auftreten.

Makula-Ödem

Der Gelbe Fleck (medizinischer Begriff: Makula) ist der Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, weil sich hier besonders viele Fotorezeptoren befinden. Ist die Netzhaut in diesem Bereich beschädigt, hat das in den meisten Fällen unmittelbare Auswirkungen auf das Sehen.

Ein Makula-Ödem tritt besonders häufig bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auf. Es entsteht, wenn sich im Verlauf einer diabetischen Retinopathie in diesem Bereich Verdickungen durch Flüssigkeitsansammlungen bilden. Das geschieht, wenn sich einige Gefäße in der Umgebung von blockierten Kapillargefäßen (Mikroaneurysmen) erweitern. Die auf diese Weise entstandene Schwellung verursacht einen dauerhaften Verlust der Sehschärfe. Zunächst sehen die Betroffenen verschwommen oder haben Schwierigkeiten, nachts deutlich zu sehen. Im Verlauf der Erkrankung nehmen die Beschwerden zu und können schließlich zur Erblindung führen.

Linsentrübung

Bei einem Grauen Star trübt sich die Augenlinse ein, weil sich verschiedene Substanzen aufgrund einer Stoffwechselstörung ablagern. Dadurch entstehen Beschwerden wie verschleiertes Sehen, Doppelbilder, Lichtempfindlichkeit, Verlust von Kontrastsehen bis hin zur sichtbaren Trübung der Linse.

Diabetiker haben nicht nur ein erhöhtes Risiko, am Grauen Star zu erkranken, die Krankheit schreitet bei ihnen auch schneller voran. Verursacht wird sie in diesem Fall von Glukoseeinlagerungen, die Flüssigkeit in der Augenlinse binden, was zur Eintrübung führt.

Behandlung von Sehstörungen bei Diabetes

Zwar entwickeln sich bei Diabetes die Sehstörungen auf eine spezifische Weise, auf die möglichen Behandlungsmethoden hat das jedoch keinen Einfluss. Sie unterscheiden sich nicht von den üblichen Therapien bei Patienten ohne Diabetes. So ist bei der Retinopathie eine Laserbehandlung üblich, bei der die durchlässigen Äderchen auf der Retina verödet werden, sodass es nicht zu Gefäßneubildungen oder neuen Flüssigkeitseinlagerungen kommen kann. Die Behandlung findet in den äußeren Bereichen der Netzhaut statt und hilft so, die bestehende Sehschärfe zu erhalten. Eine Verbesserung ist jedoch nicht möglich. Makula-Ödeme werden häufig mit Injektionen in den Glaskörper behandelt, die Gefäßneubildungen verhindern. Liegen bereits schwerwiegende Schäden wie zum Beispiel eine Netzhautablösung oder Glaskörperblutung vor, bleibt nur noch ein operativer Eingriff, um die vollständige Erblindung zu verhindern.

Diabetes und Augen: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Diabetes schädigt die Kapillargefäße der Netzhaut durch Einlagerung von Glukose.
  • Die optimale Blutzuckereinstellung ist sehr wichtig, um Sehstörungen infolge von Diabetes vorzubeugen.
  • Die häufigste Folgeerkrankung ist die diabetische Retinopathie, die unbehandelt zur Erblindung führen kann.
  • Diabetiker sollten regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt durchführen lassen.

Quellen

Diabetische Retinopathie, Berufsverband der Augenärzte
Zuckerkrankheit und Auge, UKD, Universitätsklinikum Düsseldorf