Jede Brille ist eine Maßanfertigung, der Optiker passt sie genau an ihren Träger an. Dabei berücksichtigt er viele Faktoren. Wichtig ist insbesondere der optische Mittelpunkt – sowohl bei der Brillenanfertigung als auch bei der anschließenden Anpassung wird er berücksichtigt. Denn stimmen Durchblickhöhe und optischer Mittelpunkt nicht überein, sehen Sie trotz Brille unscharf.

optischer mittelpunkt

Was ist der optische Mittelpunkt?

Der optische Mittelpunkt bezeichnet den Punkt einer optischen Linse, in dem das einfallende Licht – anders als bei allen anderen Linsenbereichen – nicht gebrochen wird. An dieser Stelle verlaufen Vorder- und Rückseite von Linsen (beispielsweise bei gekrümmten Brillengläsern oder Kontaktlinsen) parallel zueinander. Strahlen, die senkrecht auf die Linsenoberfläche treffen, werden nicht gestreut. Schräg einfallende Strahlen werden parallel verschoben. Die Linse entfaltet an dieser Stelle keine prismatische Wirkung. Das Licht wird nicht gestreut, sämtliche Strahlen gelangen ungebrochen durch die Linse.

Prinzipiell sind die lichtbrechenden Eigenschaften eines Brillenglases oder einer Kontaktlinse für die Korrektur einer Fehlsichtigkeit unabdingbar. Denn das Wirkungsprinzip von Sehhilfen beruht darauf, Licht richtig zu brechen, damit der Brennpunkt der auf das Auge treffenden Lichtstrahlen direkt auf der Netzhaut liegt. Nur so entsteht ein scharfes Bild. Bei Kurz- oder Weitsichtigkeit verlagert sich der Brennpunkt jedoch: Bei Weitsichtigkeit liegt er hinter der Netzhaut, bei Kurzsichtigkeit davor. Aufgrund der besonderen optischen Eigenschaften von Brillengläsern und Kontaktlinsen ist die Aufhebung der Lichtstreuung am optischen Mittelpunkt jedoch ebenso notwendig für eine scharfe Sicht. Es ist zwingend erforderlich, dass der Pupillenmittelpunkt des Trägers einer Sehhilfe exakt mit dem optischen Mittelpunkt des jeweiligen Glases übereinstimmt. Andernfalls sieht er verschwommen. In der Regel liegt daher der optische Mittelpunkt im Zentrum des Glases.

Optischer Mittelpunkt und Brillenglas-Anpassung

Ein Optiker fertigt jede Brille individuell an. Damit sie genau die Sehschwäche Ihrer Augen ausgleicht, erfolgt im Rahmen eines Sehtests eine Augenglasbestimmung. Anschließend wählen Sie Gläserart und das Brillenmodell aus. Wichtig ist auch die Zentrierung der Gläser. Der Optiker sorgt auch dafür, dass die Brille richtig aufsitzt. Denn eine rutschende Brille ist nicht nur unbequem, sondern führt auch dazu, dass die Sehschwäche nur unzureichend korrigiert wird. Durch das Verrutschen verschiebt sich nämlich auch der optische Mittelpunkt. Bereits eine Abweichung von wenigen Zehntelmillimetern mindert das Sehvermögen erheblich.

Bei der Brillenanpassung ist somit Präzision gefragt. Damit die Zentrierungspunkte der Gläser beim Geradeausschauen mit den Pupillenmittelpunkten des Brillenträgers übereinstimmen, ermittelt der Optiker ein paar Kennzahlen: Um die Gläser richtig einzuschleifen und in das Gestell einzupassen, spielen insbesondere Augenhöhe und -abstand sowie Scheibenbreite eine Rolle. Hierfür markiert der Optiker vor der Brillenanfertigung auf den Glasrohlingen der Probebrille die Hauptblickrichtung. Beim Ausmessen und Ausrichten nimmt er meist einen Scheitelbrechwertmesser zu Hilfe.

Auf oben beschriebene Art wird zumindest bei allen Einstärkengläsern verfahren. Anders sieht es bei Mehrstärkenbrillen und Prismenbrillen aus. Bifokal-, Trifokal- sowie Gleitsichtgläser dienen der Fern- und Nahkorrektur von mehreren Fehlsichtigkeiten. Dementsprechend haben sie auch mehrere optische Mittelpunkte, die vom Optiker ermittelt werden müssen.

Eine Prismenbrille korrigiert leichtere Schielerkrankungen. Hierbei wird der optische Mittelpunkt des Brillenglases entsprechend der Fehlstellung der Augen verlagert und stimmt daher nicht mit der Position des Durchblickpunktes überein.

Damit die Fassung zur individuellen Gesichtsanatomie passt und optimal sitzt, berücksichtigt der Optiker ebenso die Bügellänge, die Gelenkweite, Gestellbreite und den Vorneigungswinkel. Wenn die Brille fertiggestellt ist, überprüft der Optiker den Sitz der Brille und verstellt gegebenenfalls Bügel und die eventuell vorhandenen Halterungen der Nasenpads.

Tragen Sie eine neue Brille niemals ohne vorherige optometrische Anpassung. Nur so ist sicher, dass die Position der optischen Mittelpunkte korrekt ist. Sind sie falsch gesetzt, beeinträchtigt das nicht nur das Sehvermögen, sondern bringt noch weitere unerwünschte Nebeneffekte mit sich. Tritt bei Ihnen eines der folgenden Probleme auf, sollte ein Optiker die Zentrierung überprüfen:

  • Unscharfes Sehen
  • Probleme bei der räumlichen Wahrnehmung
  • Müde Augen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel

Auf einen Blick

  • Der optische Mittelpunkt eines Brillenglases oder einer Kontaktlinse beschreibt die Stelle, an der sich das einfallende Licht nicht bricht.
  • Für die individuelle Anpassung einer Sehhilfe ist der optische Mittelpunkt des Brillenglases von entscheidender Bedeutung.
  • Stimmen optischer Mittelpunkt und Hauptblickrichtung nicht exakt überein, sehen Brillenträger verschwommen.