Kontaktlinsen

 

Kontaktlinsen sind eine praktische Alternative zur Brille. Sie sitzen beinahe unsichtbar im Auge, stören nicht beim Sport und beschlagen im Winter nicht. Heute gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Linsentypen, sodass beinahe jeder Brillenträger umsteigen kann. Erfahren Sie hier alles, was Sie über die praktischen Sehhilfen wissen müssen.

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Die Geschichte der Kontaktlinse

 

In den 1880er-Jahren unternahmen Adolf Eugen Fick, Eugène Kalt und August Müller erste Versuche, Fehlsichtigkeiten mit einer Linse direkt auf dem Auge zu korrigieren. Müller war mit -14 Dioptrien stark kurzsichtig und forschte in seiner Doktorarbeit nach einer Alternative für seine dicken Brillengläser. Dafür ließ er sich von einem Optiker eine Glaslinse schleifen, die er allerdings höchstens eine halbe Stunde im Auge tragen konnte, bevor sie ihn zu stark zu schmerzen begann. Die Linsen, die zu dieser Zeit entwickelt wurden, waren zudem sehr groß. Sie bedeckten nicht nur die Hornhaut, sondern auch einen Großteil der Sklera (Lederhaut), weshalb man sie auch Sklerallinsen nannte.

Aufgrund ihrer Größe war das Tragen dieser Linsen unangenehm. In den 1940ern suchte Heinrich Wöhlk, selbst sehr stark weitsichtig, ebenfalls nach einer Alternative für seine dicke Brille. Da er die Sklerallinsen nicht vertrug, erfand er harte Kontaktlinsen aus Plexiglas, die deutlich kleiner waren und auf dem Tränenfilm schwammen. Dafür erhielt er 1978 sogar das Bundesverdienstkreuz.

Der Wissenschaftler Otto Wichterle entwickelte in den 1950er- und 1960er-Jahren das Hydrogel HEMA und fertigte Anfang der 1960er die erste weiche Kontaktlinse an. 1988 gab es die ersten Austauschlinsen, ab 1996 waren in Deutschland auch Tageslinsen erhältlich. Die letzte große Neuerung kam 1999 auf den Markt: Weiche Silikonhydrogel-Linsen, die besonders sauerstoffdurchlässig sind.

Brille oder Kontaktlinsen?

 

Anders als in der Anfangszeit der Kontaktlinse, als diese nicht besonders viel Tragekomfort bot, sind die Linsen heute eine angenehme Alternative zur Brille. Im Vergleich zu einer solchen bieten sie sogar manche Vorteile. Sie ermöglichen zum Beispiel einen scharfen Blick in alle Richtungen, während der Brillenrand die Sicht einschränkt. Sie beschlagen nicht, verrutschen nicht beim Sport und hinterlassen keine Druckstellen auf der Nase oder hinter den Ohren. Wer Kontaktlinsen trägt, benötigt zudem keine Sonnenbrille mit Sehstärke, sondern kann sich eine normale Sonnenbrille zulegen.

Je stärker man kurz- beziehungsweise weitsichtig ist, umso dicker werden normalerweise die Brillengläser. Wer sich mit dicken Brillengläsern nicht attraktiv findet, kann den Umstieg auf Linsen erwägen. Mit diesen sieht man oft sogar besser als mit Brille aus, da Kontaktlinsen die Fehlsichtigkeit direkt auf dem Auge korrigieren. Wenn die Sehschwäche auf beiden Augen sehr unterschiedlich ist, sind Kontaktlinsen ebenfalls die bessere Wahl. Das gilt auch für bestimmte Augenerkrankungen, zum Beispiel irregulären Astigmatismus oder Keratokonus.

Arten von Kontaktlinsen

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Heute gibt es so viele verschiedene Kontaktlinsenarten, dass fast jeder Brillenträger ein geeignetes Modell findet. Man unterscheidet die Linsen zunächst nach ihrem Material. Harte, auch als „formstabil“ bezeichnete Kontaktlinsen sind mit einem Durchmesser von 8 bis 11 Millimetern vergleichsweise klein. Sie schwimmen auf dem Tränenfilm direkt auf der Hornhaut. Aufgrund ihres soliden Materials dauert die Eingewöhnung etwas länger, die Linsen können dafür aber auch ein bis zwei Jahre lang verwendet werden. Weiche Linsen bestehen aus anschmiegsamem Hydrogel oder Silikonhydrogel und sind dadurch sehr angenehm zu tragen. Sie haben einen Durchmesser von etwa 14 Millimetern und bedecken die gesamte Hornhaut.

Zudem differenziert man nach der Tragedauer. Individuell angepasste harte oder weiche Linsen kann man bis zu einem Jahr lang oder länger verwenden. Austauschlinsen kauft man hingegen in Multipacks und wechselt sie in bestimmten Intervallen. Es gibt sie zum Beispiel als Tageslinsen, 14-Tages-Linsen und Monatslinsen. Neuartige Tag-und-Nachtlinsen trägt man 30 Tage ohne Unterbrechung, also auch beim Schlafen.

Kontaktlinsen korrigieren nicht nur Fehlsichtigkeiten, sondern können auch kosmetischen Zwecken dienen. Farbige Linsen verändern oder intensivieren die Augenfarbe. Mitunter sind sie sogar medizinisch notwendig: Bei Erkrankungen oder Verletzungen der Iris, zum Beispiel einem Iriskolobom, verhindern farbige Irislinsen, dass zu viel Licht ins Auge fällt. Zu den medizinischen Linsen gehören außerdem Verbandslinsen, die der Augenarzt nach Augenoperationen einsetzt. Orthokeratologische Kontaktlinsen werden während des Schlafens getragen. Sie sind so angepasst, dass sie die Hornhaut durch Druck leicht verändern. Tagsüber sieht man dann auch ohne Sehhilfen scharf. Sie müssen allerdings jede Nacht getragen werden, damit dieser Effekt bestehen bleibt.

Kontaktlinsen kaufen

 

Kontaktlinsen sollten immer von einem Spezialisten angepasst werden, also von einem Optiker oder einem Augenarzt mit Kontaktlinsen-Erfahrung. Er untersucht die Beschaffenheit der Hornhaut und prüft, ob der Interessent Linsen überhaupt verträgt. Er vermisst die Hornhaut und berät hinsichtlich des geeigneten Materials. Zunächst erhält man ein Paar Probelinsen, um sicherzugehen, dass man den gewählten Linsentyp tatsächlich verträgt. Je nachdem, ob es sich um harte oder weiche Linsen handelt, dauert die Eingewöhnung unterschiedlich lange. Weiche Linsen werden meist sofort gut vertragen, harte Linsen hingegen fühlen sich in der ersten Zeit oft wie ein Fremdkörper im Auge an. Die Tragedauer wird deswegen nur allmählich gesteigert. Damit das Auge gesund bleibt, sollte man regelmäßig zur Nachkontrolle gehen: bei harten Linsen einmal jährlich, bei weichen Kontaktlinsen sogar halbjährlich.

Kontaktlinsenwerte

 

Wie bei anderen Sehhilfen auch ermittelt der Kontaktlinsenspezialist zunächst die Werte für die Kontaktlinsen. Diese müssen nicht mit denen im Brillenpass übereinstimmen: Da die Linse direkt auf dem Auge sitzt und nicht einige Millimeter entfernt wie die Brille, kann die Stärke der Kontaktlinsen von jener der Brille abweichen. Neben der Stärke benötigt man gegebenenfalls weitere Werte: Zylinder und Achse bei einer Hornhautverkrümmung, den Additionswert bei Alterssichtigkeit, außerdem den Linsendurchmesser und die Basiskurve, also die Wölbung der Kontaktlinse.

Kosten von Kontaktlinsen

 

Die Höhe der Kosten hängt von der gewählten Kontaktlinsenart ab. Generell sind individuell angepasste Kontaktlinsen teurer. Der hohe Einstiegspreis wird aber durch die ebenfalls hohe Lebensdauer kompensiert. Wer nur gelegentlich Linsen trägt, ist mit Tageslinsen gut beraten. In diesem Fall entfallen auch die Kosten für Pflegemittel, da die Linsen nach einmaligem Tragen entsorgt werden. Monatslinsen liegen preislich meist zwischen Tages- und harten Linsen. Prinzipiell gilt: Je einfacher der Sehfehler, umso günstiger. Torische Kontaktlinsen bei einer Hornhautverkrümmung oder Gleitsicht-Linsen gegen Alterssichtigkeit sind teurer als Linsen mit einfacher Stärke.

Kontaktlinsen: Tipps zur Handhabung und Pflege

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Alle Kontaktlinsen, die mehrmals verwendet werden, müssen penibel gepflegt werden, da ansonsten Augenentzündungen drohen. Bevor man sie anfasst, sollte man sich die Hände gründlich waschen und mit einem sauberen Handtuch abtrocknen. Weder die Linsen noch der Kontaktlinsenbehälter dürfen mit Leitungswasser in Berührung kommen. Es enthält Keime, die sich auf der Linse ablagern und zu Hornhautentzündungen führen können. Zum Abspülen eignet sich stattdessen Kontaktlinsenflüssigkeit oder Kochsalzlösung.

Die Pflege besteht im Allgemeinen aus vier Schritten:

 

  • Reinigung: Die Linse wird manuell von Ablagerungen und Schmutz gereinigt. Dafür legt man sie nach dem Tragen auf die saubere Handfläche, beträufelt sie mit etwas Reinigungslösung und reibt sie etwa 20 Sekunden lang mit dem kleinen Finger.
  • Abspülen: Mit Kochsalzlösung oder einem ähnlichen Mittel spült man die Schmutzreste von der Reinigung ab.
  • Desinfektion: Man legt die Linsen für einen vorgegebenen Zeitraum in Desinfektionslösung, um alle Keime abzutöten.
  • Aufbewahrung: Nach der Desinfektion legt man die Linsen in Aufbewahrungslösung, um sie bis zum nächsten Einsatz hygienisch aufzubewahren.

Je nachdem, welches Pflegesystem man wählt, sind für die einzelnen Schritte verschiedene Produkte notwendig. Kombilösungen sind für alle Pflegeschritte geeignet. Allerdings enthalten sie häufig Konservierungsstoffe, auf die manche Menschen allergisch reagieren. Peroxid-Pflegesysteme sind etwas komplizierter zu handhaben, reinigen dafür aber intensiver und sind frei von Konservierungsmitteln. Sie eignen sich daher auch für Allergiker. Man benötigt normalerweise je nach System Kochsalzlösung, Desinfektionsmittel mit 3-prozentigem Wasserstoffperoxid und eventuell weitere Mittel wie Oberflächen- und Enzymreiniger. Bevor man die Linsen einsetzt, muss das Desinfektionsmittel unbedingt neutralisiert werden, da es das Auge sehr stark reizt. Dafür verwendet man entweder Tabletten oder einen speziellen Kontaktlinsenbehälter mit eingebautem Katalysator.

Regelmäßig wechseln

 

Ein wichtiger Teil der Kontaktlinsenhygiene ist der regelmäßige Austausch aller Komponenten. Tageslinsen sollte man nicht zweimal einsetzen, sondern nach einmaligem Tragen entsorgen. Bei Monatslinsen zählt nicht, wie oft man sie getragen hat: 30 Tage nach Öffnen der Packung sollte man sie gegen ein neues Paar austauschen. Wann individuell angepasste Jahreslinsen, zum Beispiel harte Linsen, erneuert werden müssen, entscheidet der Optiker bei der Nachkontrolle. Auch der Kontaktlinsenbehälter ist alle ein bis drei Monate auszutauschen, damit er stets hygienisch sauber ist. Kontaktlinsenflüssigkeit ist ebenfalls nur begrenzt haltbar. Entsprechende Informationen findet man auf der Verpackung.

Gefahren bei Kontaktlinsen

 

Wer seine Kontaktlinsen von einem Spezialisten anpassen lässt, regelmäßig zur Nachkontrolle geht und die Linsen hygienisch reinigt, wird vermutlich keine Probleme mit ihnen bekommen. Schlecht sitzende Linsen und falsche Pflege führen hingegen häufig zu Unverträglichkeiten oder sogar Augenerkrankungen. Träger weicher Kontaktlinsen sind davon häufiger betroffen als Nutzer harter Linsen. Das hängt damit zusammen, dass weiche Linsen die Hornhaut komplett abdecken. Dadurch beeinträchtigen sie den Transport von Nährstoffen und Sauerstoff zur Hornhaut. Zudem saugen sie sich mit Wasser voll und nehmen dadurch auch Keime auf, wenn man sie zum Beispiel mit Leitungswasser abspült oder mit schmutzigen Fingern berührt. Zu den typischen Komplikationen bei Kontaktlinsen gehören trockene Augen, Rötungen oder Sehstörungen. Diese entstehen, wenn die Linse nicht richtig passt oder man die Kontaktlinsenflüssigkeit nicht verträgt. Sie können aber auch Anzeichen für ernsthafte Erkrankungen sein, zum Beispiel eine Hornhautentzündung. Die schlechtere Sauerstoffversorgung der Hornhaut begünstigt zudem die Entstehung einer Neovaskularisation. In diesem Fall wachsen Blutgefäße in die Hornhaut ein. Das kann dazu führen, dass man keine Linsen mehr tragen kann. Daher ist es wichtig, die Kontrolltermine einzuhalten und bei Beschwerden die Linsen sofort zu entfernen und eine Augenarztpraxis aufzusuchen.

Kontaktlinsen: Infos im Überblick

 

  • Kontaktlinsen sind eine Alternative zur Brille.
  • Sie müssen vom Optiker oder Augenarzt angepasst werden.
  • Sie müssen sorgfältig gereinigt und hygienisch gehandhabt werden, damit die Augen gesund bleiben.

Quellen

Augenärztinnen Dr. med. Irini Rohrbach, Ludmilla Bill: Kontaktlinsen
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA): Augenärzte informieren: Kontaktlinsen (PDF)
Sile Fokken: Wie ein Kurzsichtiger die Kontaktlinse erfand (erschienen auf welt.de am 29. August 2008)
hr-Fernsehen: Orthokeratologie-Linsen für scharfes Sehen?
Cornelius Kob: Heinrich Wöhlk – Leiden für die Linse (erschienen auf nrd.de)
Ulrike von Leszczynski: Warum weiche Kontaktlinsen Risiken bergen (erschienen auf welt.de am 29. Mai 2013)
Sibylle K. Scholtz und Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart: Von Leonardo da Vinci bis Otto Wichterle – der harte Weg der weichen Kontaktlinse (erschienen in Optometrie & Fashion, Ausgabe 06/2005)
Universitätsklinikum Gießen und Marburg: Keratokonuslinsen
Universitätsklinikum Gießen und Marburg: Spezialkontaktlinsen
Zeiss: Brille, Kontaktlinsen oder Laser-OP – was ist für wen geeignet?